Frithjof Büttner
Frithjof Büttner, Experte aus der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Hamburg, spricht über Wohnquartiere und Housing Improvement Districts in der Hansestadt.

1. Wo ist Ihrer Meinung nach der größte Bedarf/das größte Potenzial für gute Nachbarschaft?
Frithjof Büttner: Potenzial für gute Nachbarschaften gibt es überall. Dadurch, dass Wohnquartiere den unmittelbaren Lebensraum ihrer Bewohner prägen, ist ein wie auch immer geartetes Engagement in der Nachbarschaft grundsätzlich vorhanden. Die Frage ist, wie es genutzt wird. Wichtig sind immer ein oder mehrere sehr engagierte Nachbarn, die Projekte und Aktionen vorantreiben. Es gibt in vielen Quartieren engagierte und motivierte Bewohner, die jeder für sich oder auch in kleinen Gruppen Projekte oder Veranstaltungen durchführen. Doch vor allem langfristige und größere Maßnahmen lassen sich nur dadurch sichern, dass ein fester und verbindlicher Rahmen zwischen allen Beteiligten gebildet wird.
2. Wie können gemeinschaftlich aktive Nachbarn besser unterstützt werden?
Frithjof Büttner: Eine gegenseitige Unterstützung, vor allem auch durch die Vermieter und Wohnungsunternehmen, kann Projekte vorantreiben. Bei dem bisher nur in Hamburg möglichen Modell der Housing Improvement Districts (HIDs) können sich Grundeigentümer in Wohnquartieren zusammenschließen, um gemeinsam Maßnahmen zur Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität im Gebiet zu entwickeln, zu finanzieren und umzusetzen. Die Finanzierung der Maßnahmen erfolgt hierbei über eine Abgabe, die von der Stadt von den im HID-Gebiet ansässigen Grundeigentümern eingezogen und vollständig an die „HID-Organisation“ weitergeleitet wird. Im Gegensatz zu den bekannten Formen freiwilliger Zusammenschlüsse werden in einem HID somit alle Grundeigentümer zur Leistung der Abgabe verpflichtet, sofern nicht mehr als ein Drittel der betroffenen Grundeigentümer dem HID widersprechen. Bei HIDs steht vor allem die gemeinschaftliche Betrachtung des Quartiers im Vordergrund, durch welche ein Beitrag zur Stärkung von privaten, bürgerschaftlichen Initiativen in der Quartiersentwicklung und nicht zuletzt zur Aktivierung der privaten Eigentümer im Stadtumbau geleistet wird. Ein HID kann selbstverständlich auch von Bewohnerinnen und Bewohnern angestoßen werden.
3. In welchen Bereichen können Nachbarn gemeinsam am meisten bewegen/verändern?
Frithjof Büttner: Nachbarn können vor allem dann viel erreichen, wenn sie gemeinschaftlich agieren. Ein Quartier, das mit einer starken Stimme spricht, kann oftmals mehr erreichen, als einzelne kleine Initiativen. Im Rahmen von HIDs ist das Spektrum der Handlungsfelder sehr vielfältig. Denkbar sind beispielsweise
- Bauliche Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung, z.B. die Verschönerung von Plätzen, Grünflächen und Spielplätzen, Gartenanlagen, Wegen und Straßen
- Sauberkeit und Sicherheit, z.B. durch zusätzliche Reinigung, bessere Beleuchtung oder Verkehrsberuhigung
- Förderung von nachbarschaftlicher Hilfe, sozialen und kulturellen Angeboten
- Wohnbegleitende Dienstleistungen, z.B. Haushaltshilfen, Reinigungs- und Fahrdienste, gemeinsame Beauftragung von Dienstleistungen
- Öffentlichkeitsarbeit und Marketing für das Quartier
Zu beachten ist, dass diese Maßnahmen nicht die regulären Aufgaben der Stadt ersetzen, sondern lediglich gezielt ergänzen sollen. Es sollen Maßnahmen umgesetzt werden, die über die städtische Daseinsvorsorge hinausgehen.






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