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Zeitbanken: Investition in die Zukunft

Wer Zeit anspart, indem er sie anderen widmet, tut Gutes für alle. Moderne Nachbarschaftshilfe funktioniert nach dem Prinzip der Zeittauschbörse.

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NachbarIn A wendet Zeit für NachbarIn B auf und bekommt sie wieder zurück, entweder von B selbst oder einer anderen Person. Geben und Nehmen, vertrauensvolle Unterstützung und Hilfe: In Nachbarschaften wird dies vielerorts schon sehr erfolgreich praktiziert. Das Modell der Zeitbanken oder Zeittauschbörsen macht diese Hilfsnetzwerke zuverlässig und nachhaltig. Oft bilden sich auch Freundschaften, die weit über das Zeitbank-Engagement hinausgehen.

Alle Generationen einbinden

„Zeitbanken in Nachbarschaften gibt es weit öfter als man denkt“, sagt Erdtrud Mühlens, Gründerin von Netzwerk Nachbarschaft. Die Community unterstützt Initiativen, die den Hilfsalltag verbindlicher regeln wollen. „Zeitbanken oder Zeittauschbörsen sind ein intelligentes Modell, dass die Bereitschaft, im sozialen Umfeld zu helfen auf verlässliche Weise vernetzt“, so Mühlens. Gerade im wohnortnahen Bereich könne dieses „Zukunftsmodell“ ältere Menschen, deren Angehörige und junge Familien enorm entlasten, um mobil und bis ins hohe Alter selbstständig wohnen zu können.

16 Zeitbankplus-Vereine

Ingrid Engelhart ist Vorsitzende des Vereins „SPES Zukunftsmodelle e.V.“. Der Mutterverein ist in Österreich organisiert, wo das Konzept „Zeitbank55+“ auf Ältere ausgelegt ist: Agile Menschen im Ruhestand unterstützen die, die ihren Alltag nicht mehr allein bewältigen können. SPES hat das System ohne die „55“ übernommen, in Freiburg heißt es nur „Zeitbankplus“: „Wir wollen alle Generationen in die Hilfeleistung einbeziehen“, so Engelhart.

Über SPES haben sich bisher 16 „Zeitbankplus“-Vereine gegründet. Hilfestellung wird bundesweit geleistet u.a. durch eine Informationsveranstaltung vor Ort und die langfristige Begleitung des Vereins. Ein Startpaket mit Informationen, Inhalten wie Zeitschecks, Zugangsberechtigung zum Verwaltungsprogramm, Vorlage einer Website und Vereinsregeln kostet 1500,00 €. Dafür sind und bleiben neue Gründer einem kompatiblen System angeschlossen, auf das sie bei Fragen immer zurückgreifen können. Für den Jahresbeitrag von 36,00 € ist jedes Mitglied unfall-, rechtsschutz- und haftpflichtversichert.

„Klein anfangen, langsam wachsen“

Interessierte können aber auch kleiner anfangen. „Theoretisch reicht erstmal eine Exceltabelle“, sagt Monika Lang, die 2004 den Nachbarschaftsring „Öcher Frönnde e.V.“ in der Aachener Innenstadt ins Leben rief. Heute gehören ihm um die 160 Mitglieder an. „Ich habe damals mit meinem persönlichen Netzwerk angefangen“, sagt Lang. „Ich habe meinen Versicherungsmakler angeschrieben, einen Bekannten zur Vereinsgründung befragt. Die Absicherung der Mitglieder ist ganz wichtig.“

Wer die Verantwortung scheut, einen Verein zu gründen und das Unternehmen Zeittauschbörse selbständig in die Hand nehmen will, kann sich in der Regel an einen Träger wie z. B. an den Paritätischen Wohlfahrtsverband oder die Diakonie angliedern. Monika Lang gründete mit 21 Mitgliedern direkt einen eigenen Verein. „Man muss sich informieren, was es gibt. Quartierbüros sind gute erste Ansprechpartner. Satzung und Abrechnungsmodelle auf unserer Website darf man gerne abkupfern“, bietet sie an. „Und dann langsam wachsen. Wer dabei sein will, wird eine Stunde lang interviewt. Wir müssen wissen, wen wir da zu anderen schicken.“ Regelmäßige Spaziergänge mit einer Rollstuhlfahrerin, wöchentliches Schwimmen mit einer Blinden – das alles machen die „Öcher Frönnde“. Dazu organisiert der Verein gemeinsame Feste und Ausflüge, bei denen sich alle näher kennenlernen.

Ein Erfolgsmodell: 2017 wurden die „Öcher Frönnde“ von Netzwerk Nachbarschaft ausgezeichnet. Monika Lang erhielt für ihr Engagement 2017 das Bundesverdienstkreuz. „Wir hoffen auch in diesem Jahr auf viele Bewerber-Projekte von Zeittauschbörsen“, sagt Erdtrud Mühlens. Der jährliche Wettbewerb „Die schönsten Nachbarschaftsaktionen“ prämiert Best-Practice-Projekte und stellt sie bundesweit vor.  
Anmeldungen zum Wettbewerb: www.netzwerk-nachbarschaft.net

 

  

Eine Idee vom anderen Ende der Welt

Das Konzept einer Zeitbank kommt aus Japan. Auch in den USA und Großbritannien entstanden seit den 90er Jahren immer mehr Zeitbanken. Im Vereinigten Königreich werden sie sogar staatlich unterstützt. In Deutschland bremst die Angst vor geldwerten Vorteilen die Entwicklung. „Es wäre es toll, wenn unser Staat das japanische System übernähme“, sagt Monika Lang. „Dann kann die angesparte Zeit auch für professionelle Hilfe geltend gemacht werden, falls es später keine ehrenamtliche mehr gibt. Das würde viel Vertrauen schaffen.“

 

 

Informationen zu Zeitbankplus gibt es im Internet unter www.zeitbankplus.de.

Mehr über SPES erfahren Sie unter www.spes.de.

Öcher Frönnde e.V. in Aachen
http://www.oecher-froennde.de/
"Ich spar' mir meine Zeit..."

 

 

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