Kultur & Freizeit

Rein in den Leerstand!

Leerstand gleich Stillstand? „Nichts da!“ rufen engagierte Nachbarschaftsinitiativen. Ihre Aktionen zeigen: Ungenutzte Räume bleiben nicht länger unbeachtet!

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Den trostlosen Leerstand in seiner Stadt wollte Ralf Kötter aus Epe in Westfalen nicht länger mit ansehen: „Vor allem die leeren Schaufenster waren wie dunkle Löcher für mich – daran wollte ich etwas ändern“ erzählt er im Gespräch mit Netzwerk Nachbarschaft. Viele der kleinen und mittelständischen Unternehmen waren schon in das umherliegende Industriegebiet gezogen, weil es ihnen an günstigen Werkstattflächen im Ort fehlte. Der Ortskern verkümmerte. Kötter, passionierte Schreinermeister, ergriff die Initiative. Er vereinbarte mit der Besitzerin eines leerstehenden Ladenlokals eine Nutzung, von der nun alle in Epe profitieren: „Ein bespieltes Fenster ist dabei mehr als nur Dekoration für die Stadt“ weiß Kötter: „Es schafft auch eine Projektionsfläche dafür, wie bunt und lebendig Epe in Zukunft wieder sein könnte“. Inzwischen sind sechs andere lokale Betriebe gefolgt - immer mehr Schaufenster in Epe werden so wiederbelebt. „Ein Ladenlokal wurde durch die Aktion sogar dauerhaft angemietet!“. Jetzt wollen die EpeianerInnen ihr Projekt auch im Nachbarort zur Nachahmung empfehlen und mit der Stadt zusammenarbeiten. Für seine Initiative bekommt Kötter von den BewohnerInnen des Orte viel Zuspruch: „Bunte Schaufenster sind eben viel einladender als diese schwarzen Löcher in der Stadt!“

 

Leerstand im Quartier? Nicht mit uns!

Leerstand im Quartier ist oft gar nicht sichtbar. „Viele Nachbarn und Nachbarinnen bekommen gar nicht mit, dass ein Haus oder Wohnungen dauerhaft leer stehen. Aber Leerstand hat  fatale Wirkungen auf das gesamte Wohnklima im Quartier.“ weiß Erdtrud Mühlens vom Netzwerk Nachbarschaft. Um so wichtiger sei es, die Öffentlichkeit zu informieren. So setzt sich auch die Initiative „Wir sind Eppendorf“ tatkräftig für mehr Widerstand gegen Spekulation ein. Rund 30 Wohnungen stehen leer. „Dabei ist Eppendorf ist eines der beliebtesten Viertel Hamburgs,“ berichtet Sigrid Stallbaum.  Gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Initiative organisierte sie eine Demo gegen Leerstand, verteilte Flugblätter in der Nachbarschaft und zeigte den Leerstand auch im zuständigen Bezirksamt an. „Mit unseren Aktionen erreichen wir eine breite Öffentlichkeit! Gemeinsam haben wir jetzt ein Auge auf den Leerstand. Wir hoffen, dass bald neue NachbarInnen dort einziehen, die wir dann in unserem Eppendorf begrüßen dürfen!“

 

„Allesandersplatz“ statt Alexanderplatz!

Richtig groß fuhren Berliner Nachbarn mit einer Aktion gegen Leerstand auf: 10 Jahre lang stand das Haus der Statistik mitten in Berlin leer. Um zu zeigen, wie der Ort sinnvoll genutzt werden könnte, landete eine Gruppe engagierter BerlinerInnen einen Coup: Sie designten ein großes, offiziell aussehendes Plakat, das behauptete, im Haus entstünden nun Räume für Kunst, Kultur und Soziales - und hängten es kurzerhand aus einem der Fenster des leerstehenden Gebäudes. Die freche Aktion gab den Anstoß für Verhandlungen mit der Stadt. Jetzt entsteht hier ein gemeinwohlorientierter Freiraum, der „Allesandersplatz“. Er wird von den GroßstädterInnen kreativ „bespielt“: Mit Tanzworkshops, Yogakursen, einer Gemeinschaftsküche oder Sprachcafes. Und Gesang!

 

Singen gegen den Leerstand

Dabei ist auch ein „Leerstandschor“ entstanden: 30 Sängerinnen und Sängern üben Songs ein, die sich mit dem Haus der Statistik und der Frage nach gutem Leben in der Stadt, beschäftigen. Leona Lynen von der Initiative weiß: „Wichtig ist, dass man den Leerstand sichtbar, und die eigene Idee öffentlich macht!“ Einen wichtigen Tipp für alle, die aktiv werden möchten, hat sie auch gleich im Petto: „Tut euch zusammen! Wer kollektiv gegen den Leerstand vorgeht, gewinnt!“

 

 

Quellen:

https://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Borken/Gronau/4031128-Initiative-gegen-Leerstand-Wanderndes-Schaufenster-belebt-Ortskern

https://wirsindeppendorf.wordpress.com/

https://hausderstatistik.org/

 

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