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Dorfläden – von Nachbarn für Nachbarn

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Bildquelle: Dorfläden Schomburg eG

Bildquelle: DORV-Zentrum Jülich

Bildquelle: Dorfläden Schomburg eG
Wo große Einkaufscenter den Laden um die Ecke verdrängt haben, holen Nachbarn ihre gute Tante Emma zurück. Mit viel Erfolg, wie drei Beispiele zeigen.

Gleich zwei Läden an unterschiedlichen Orten gründen die Nachbarn im beschaulichen Westallgäu. In den Nachbardörfern Haslach und Primisweiler eröffnen sie im Frühjahr vor drei Jahren „Unsere Läden“ als Schomburger Dorfläden eG. „2007 haben innerhalb eines Jahres die einzigen Läden in beiden Orten zugemacht“, schildert der Geschäftsführer Albert Beaumart die damalige Situation. Die Nachbarn entscheiden, die Versorgung selbst zu übernehmen. 418 Personen stellten durch den Ankauf von Genossenschaftsanteilen die finanzielle Basis von 78.000 Euro für das Projekt. Und dieser Einsatz lohnt sich. Schon in den ersten Monaten schreiben die Ladenbetreiber schwarze Zahlen. Möglich ist das durch freiwillige Unterstützung von 20 Nachbarn in beiden Orten. „Das Engagement der Nachbarn sorgt für Wirtschaftlichkeit“, sagt Beaumart. Mehr

Erfolgskonzept DORV

Im Nordrhein-Westfälischen Jülich-Barmen treten 360 Nachbarn in Aktion, als mit der Sparkassenfiliale der letzte Anlaufpunkt des Ortsteils verschwindet. Die Jülicher gründen die Betreibergesellschaft DORV-Zentrum GmbH. DORV steht für „Dienstleistung und Ortsnahe Rundum Versorgung“. Sie finanzieren ihr Geschäft über Bürgeraktien für je 250 Euro. Dank auch zusätzlicher Spenden, Privatkredite und Eigenleistung eröffnen sie das neue Dorfzentrum in Jülich. Neben der Nahversorgung bietet es auch Dienstleistungen wie Paketannahme, Reinigung, eine AWO-Sozialservicestation, Arztpraxen und ein kleines Cafe. Der Laden wird ein voller Erfolg und  d e r  Treffpunkt im Ort. "Im Laden kauft man nicht nur ein. Er ist ein soziales Zentrum, wo man andere trifft, sich austauscht und Neuigkeiten aus dem Dorf bespricht“, sagt DORV-Initiator Heinz Frey. Das Modell macht Schule. Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es mittlerweile fünf solcher Nahversorgungs-Zentren. Mehr

„s’Lädle“ als Verein

Als auch noch der letzte Laden im Ort zumacht, gründen die Nachbarn im schwäbischen Schnait 2003 einen Verein, holen sich einen zinslosen Kredit von der Gemeinde und finanzieren damit die Grundausstattung ihres „Lädle“. Inzwischen finanziert sich der Laden über den monatlichen 10-Euro-Mitgliedsbeitrag der 140 Vereinsmitglieder sowie dem Gewinn aus dem Verkauf. „Wir kaufen die Lebensmittel selbst ein und achten auf gute Qualität“, sagt der Vorsitzende des Vereins Wolfgang Lenz. Zwei Verkäuferinnen in Teilzeit und weitere Nachbarn sind im Geschäft tätig. Die Idee findet schnell weitere Anhänger. Inzwischen gründeten auch die Nachbarn im nahegelegenen Aichwald einen eigenen Laden. Mehr

Gerne geben die Experten des Netzwerks weitere Auskünfte.

 

Organisationsformen für Dorfläden:

Genossenschaft:

Von den Vorteilen der Genossenschaft sind neben der Gemeinde Schomburg auch die Nachbarn in Gailenkirchen überzeugt, die „Unseren Dorfladen“ gründeten.

Eine Genossenschaft beruht auf den Prinzipien Selbstverwaltung, Selbsthilfe und Selbstverantwortung. Die Mitglieder kaufen Anteile und stellen so das Kapital bereit, um gemeinsam unternehmerisch tätig zu sein. Geführt wird die Genossenschaft von die vom Vorstand und Aufsichtsrat, die von den Mitgliedern gewählt werden.

Verein:

Wie gut sich das Vereins-Konzept bewährt, zeigen die Dorfläden im baden-württembergischen Schnait und im thüringischen Böhlen. Das Betreiben eines Dorfladens als eingetragener Verein ist weit verbreitet, wenn sie hauptsächlich ideell und nur untergeordnet wirtschaftlich tätig sind. Für einen Eintrag ins Vereinsregister sind neben einer Satzung auch ein Gründungsprotokoll, ein gewählter Vorstand und mindestens sieben Vereinsmitgliedern nachzuweisen.

Weitere Informationen zur Gründung einer Initiative finden Sie in unserer Checkliste Organisationsformen