Bauen & Wohnen

Miethäuser Syndikat: Wohnraum für alle!

Seit 30 Jahren ist das Mietshäuser Syndikat aktiv. Die Solidargemeinschaft bietet Immobilienspekulanten erfolgreich die Stirn.

Mietshaus Artikel

Bezahlbarer Wohnraum in guter Nachbarschaft ist zum sozialen Kernthema unserer Zeit geworden. In den vergangenen zehn Jahren sind die Mieten in Deutschland um durchschnittlich 31,9 Prozent gestiegen. Die verheerenden Folgen: Gewachsene Nachbarschaften werden zerstört und müssen luxuriösen Anlageobjekten weichen, bezahlbarer Wohnraum wird knapp. In Großstädten ist die Wohnungsnot besonders groß: Neu vermietete Objekte können sich meist nur die Besserverdienenden leisten. Geringverdienende oder kleine Gewerbetreibende bleiben dabei auf der Strecke!

Mietenwahnsinn? Nicht mit uns!

Diesen Mietenwahnsinn nehmen immer weniger Nachbarschaften einfach so hin. Gemeinsame Proteste verstärken sich, auf Demonstrationen wie dem „Mietenmove“ in Hamburg lassen die Betroffenen ihrem Unmut freien Lauf. „Nachbarn schließen sich vermehrt zusammen, um sich gegen rasant steigenden Mieten zu wehren“, beobachtet  Erdtrud Mühlens vom bundesweiten Aktionsbündnis Netzwerk Nachbarschaft. Das Netzwerk stellt sich ausdrücklich auf die Seite der Nachbarn, die sich gegen den Mietwucher richten und oft auch neue Wohnmodelle initiieren.

Solidarisch und Selbstorganisiert

So kämpft zum Beispiel das „Mietshäuser Syndikat“ seit 30 Jahren mit Erfolg für die langfristige Sicherung bezahlbarer Wohnungen. Die Strategie: Häuser werden durch Direktkredite gemeinschaftlich erworben und damit den Immobilieninvestoren entzogen. Das Geld dazu generieren die Projekte sowohl vom Mietshaussyndikat als auch von Privatinvestoren und zahlen sie später als Miete zurück. 140 Wohn- und Hausprojekte konnten die Syndikatsmitglieder so mittlerweile realisieren: bunt bemalte Altbauten in Berlin Friedrichshain, Mehrgenerationenhauser in Lübeck und multifunktionale Wohn- und Arbeitskonzepte in Mannheim. Es gilt: So verschieden die Bewohner sind, so verschieden sind auch die Häuser, in denen sie wohnen!

Fabrik ohne Profit

Ihren Anfang fand die Solidargemeinschaft des Mietshäuser Syndikats in der Grether-Fabrik in Freiburg. In den 1980er und 1990er Jahren setzten sich hier Aktive erfolgreich dafür ein, dass das leerstehende Fabrikareal erhalten und zu einem profitunabhängigen Projekt umgebaut wird. Heute befinden sich neben zahlreichen Wohnungen auch die Geschäftsstelle des Mietshäuser Syndikats und viele soziale Initiativen in den Räumlichkeiten der ehemaligen Fabrik. „Letztlich hat uns die Geschichte recht gegeben: Diese besetzten Häuser gibt’s nicht mehr, sie sind einfach weg! Aber uns gibt’s noch!“ resümiert eine der langjährigen Bewohnerinnen des Grether-Geländes.
Auch in Österreich hat sich inzwischen ein ganz ähnliches Format etabliert: Das habiTAT-Kollektiv. Hier schreibt man sich mehr Solidarität und Selbstverwaltung für das gute Wohnen auf die Fahne – und bringt so auch frischen Wind in Österreichs Wohnungspolitik!

Hier finden Interessierte mehr Informationen:

habiTAT

Mietshäuser Syndikat 

Mietenmove

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