Kultur & Freizeit

Jetzt machen wir Theater!

Lautstark, humorvoll und bildgewaltig bringen Nachbarn ihre Anliegen und Forderungen auf Theaterbühnen. Im Scheinwerferlicht: drei Beispiele, die Schule machen.

Riesentheater ArtikelBezahlbarer Wohnraum, mehr Geld für soziale Einrichtungen, Schluss mit der Rotstift-Politik zu Lasten von Bibliotheken oder Freibädern! Die Liste berechtigter Forderungen von Nachbarschaften ließe sich endlos fortsetzen. Um für ihre Interessen Gehör zu finden und eine breite Öffentlichkeit zu erzeugen, lassen sich Nachbarn was einfallen. Zum Beispiel: Theater-Inszenierungen, die sich – auf  Fakten gestützt – mit der kommunalen Entwicklung befassen und Misswirtschaft, Sozialabbau und ungezügeltes Investorentum in Szene setzen. Ihr Ziel: den vom Sozialabbau Betroffenen eine Stimme geben und sie dazu ermuntern, ihre Interessen in die eigenen Hand  zu nehmen.

„Wir entscheiden mit über die Zukunft unserer Stadt!“

Ein beeindruckendes Beispiel liefert das Theaterstück „Bonnopoly “. Regisseur Volker Lösch und sein Team holten dazu auch den Bonner Bürgerchor auf die Bühne: Mehr als 50 Bonner und Bonnerinnen tragen dort eindrucksvoll und lautstark ihre Forderungen vor: „Bonn gehört uns!“ heißt es da. Der Erfolg: Mehrere Bürgerbegehren machen sich heute für eine bunte, nachhaltige und selbstgestaltete Stadt stark und bieten dem Ausverkauf ihrer Viertel Paroli. „Diese Theater wollen Menschen verbinden und ermuntern, sich gemeinsam zur Wehr zu setzen!“ so die Gründerin von Netzwerk Nachbarschaft, Erdtrud Mühlens.

Nachbarn verschaffen sich Gehör

Auch in Hamburg nutzen Nachbarn die Theaterbühne, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Seit vielen Jahren realisiert der Nachbarschaftsverein GWA St. Pauli statteilpolitische Theaterstücke. Das Thema: Kein Ausverkauf von Sankt Pauli! Derzeit erlebt das Viertel aus Sicht der alteingesessenen Bewohner einen Veränderungs- und „Aufwertungs“-Prozess, der die Immobilienwirtschaft ungebremst wirken lässt – zulasten der ansässigen Nachbarbarschaften. So steigen die Mietpreise ins unermessliche, gewachsene Nachbarschaftsstrukturen werden zerstört. Der Kiez, auf den alle so stolz sind, wird zunehmend zum Kommerz-Viertel umfunktioniert. Die Theaterstücke tragen ihre Kritik an der Stadtteilpolitik St. Paulis direkt ins Viertel hinein. So auch im stadtpolitischen Stück „Magst du Zäune?“, das die Schauspieler gemeinsam mit dem Publikum unter freiem Himmel aufführten.

Kreatives Nachbarschaftstheater

Die Idee der Bühne als Sprachrohr für Nachbarn greift auch das Nachbarschafts- und Gemeinschaftstheater Rote Rübe in Leipzig auf. Hier werden Spielräume geschaffen, lokale Talente entwickelt und die Gemeinschaften gestärkt. Brisante Themen wie Heimat, Fremdenfeindlichkeit oder Identität werden in offenen Theatergruppen, Workshops und Kinder- und Jugendtheaterprojekten spielerisch thematisiert und auf die Bühne gebracht.

Bundesweit zeigen kreative Initiativen: Theater als Aktions- und Protestform stößt Dialoge und Visionen von einem gerechteren Zusammenleben an! Dazu braucht es nicht professionelles Know-How oder große Theater - was zählt ist der Spaß am gemeinsamen Prozess und die Freude am unbefangenen Ausprobieren auf der Bühne!

 

Mehr Infos zu den Theatermachern:

Bonnopoly

GWA St. Pauli Theater

Rote Rübe Nachbarschafts- und Gemeinschaftstheater 

 

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