Kultur

Rettet die Freibäder!

Bundesweit soll rund 670 Bädern der Stöpsel gezogen werden. Leidtragende sind Kinder, Familien und Senioren. Dagegen wehren sich Nachbarschaften – mit kreativen Aktionen. Ihr Protest macht Schule.

Margaretenbad Fotostudio Mario Gimpel Kopie

Schwimmen zählt zu den beliebtesten Sportarten in Deutschland, dennoch fallen seit 2000 jährlich durchschnittlich 80 öffentliche Schwimmbäder dem Rotstift zum Opfer, berichtet die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. Laut aktuellen Zahlen sind bundesweit 670 Bäder vom Aus bedroht. Mit gravierenden Folgen: Für rund ein Viertel der GrundschülerInnen fällt der Schwimmunterricht aus. Knapp 60 Prozent der 10-jährigen sind laut einer Forsa-Umfrage keine sicheren Schwimmer mehr.

Engagierte „Freibadfreunde“

Jede Schließung eines Freibads geht zu Lasten der sozialen Gemeinschaft und sportlichen Gesundheit aller Anwohnenden. Ein beliebter Treffpunkt mit Gleichgesinnten im nahen Wohnumfeld fällt weg. Besonders die Älteren sind davon abhängig, das Bad bequem und sicher zu Fuß zu erreichen. Aus diesem Grund wehren sich auch viele Nachbarschaften gegen den Trend, bei Sportanlagen und Schwimmbändern den Rotstift anzusetzen. Oft mit Erfolg: So verhinderten die „Freibadfreunde Öschingen“ die Schließung ihres Bades, indem sie einen Verein gründeten und den Betrieb „ihres“ Schwimmbades zur Gemeinschaftsaufgabe machten. In Arbeitsgruppen unterstützen sie die Badeaufsicht, organisieren Schichten im Kassenhäuschen, die Müllentsorgung und die Pflege der Liegewiese. So wie sie haben zahlreiche Nachbarschaften in den vergangenen Jahren Trägervereine gegründet, um ihre Schwimmbäder vor einer Schließung zu bewahren. Ihr Motto: Der Sprung ins kalte Wasser muss allen Menschen gewährt werden! Denn Schwimmen ist gesund und stärkt das soziale Miteinander im Quartier.

 „Pool-Position“ für Nachbarschaften

Viele Nachbarschaften punkten mit Ideen, die sie in die „Pool-Position“ bringen. So organisieren Anwohnende Bäder-Sommerfeste, Open-Air-Konzerte und Schwimmwettbewerbe, die auch zur Finanzierung des Badbetriebs beitragen. Dieses Konzept funktioniert auch im kleinsten Freibad Bonns. Dort veranstalten NachbarInnen in diesem Sommer bereits zum zehnten Mal die „Friesdorfer Freibad Filmnächte“. Auf Decken und Campingstühlen schauen junge und alte „Friesi“-Fans auf eine große Leinwand, die auf der Liegewiese des Schwimmbads aufgebaut ist. Die Bonnerin Karolin Kuipers, die das Freibad seit ihrer Kindheit besucht, ist begeistert. „Ich freue mich jedes Jahr auf die Filmnächte“, schwärmt sie. „Man kennt sich, kann spontan mit Freunden ein paar Bahnen drehen oder eben gute Filme sehen.“

 

  

Links zu den Freibadrettern:

Freibadfreunde Öschingen e.V.

Freibadfreunde Friesdorf e.V.

Gräzelinitiative Margeretenbad