Kultur & Freizeit

Darf ich bitten? Gemeinsam gegen Einsamkeit

Die Nachbarin oder den Nachbarn um Unterstützung zu bitten, fällt vielen schwer. Das ergab die neueste Umfrage von Netzwerk Nachbarschaft.

Gemeinsam-gegen-Einsam Artikel17 Millionen Einpersonen-Haushalte gab es 2018 in Deutschland. 45% der Frauen ab 65 Jahren lebten 2017 allein. Bei Männern ist dieser Anteil mit 20% deutlich niedriger. „Single-Haushalte machen in Städten wie Hamburg, München und Berlin über die Hälfte aller Wohnformen aus. Sie kosten unverhältnismäßig viel und tragen mit zunehmendem Alter auch zu Einsamkeit und dem sogenannten Einsiedler-Dasein bei. Das macht krank“, sagt Erdtrud Mühlens vom Netzwerk Nachbarschaft.

Kannst Du mir helfen?

„Fällt es Ihnen schwer, Ihre NachbarInnen um Hilfe zu bitten?“ fragte das Netzwerk die NutzerInnen der Plattform. Das Ergebnis zeigt, wie uneins sich die Nachbarn in dieser Frage sind: 51 Prozent fällt es sehr leicht beziehungsweise leicht, NachbarInnen um Hilfe zu bitten. Fast die Hälfte der Befragten gibt dagegen an, dass es ihr sehr schwer oder schwer falle, um Hilfe zu bitten. „Mangelnder Kontakt und falsch verstandene Scham spielen dabei die Ausschlag gebende Rolle“, so Mühlens.

Gemeinschaft auf Rezept?

In Großbritannien kümmert sich seit 2018 ein eigenes Ministerium um den Kampf gegen die Einsamkeit. Auch hierzulande wächst die Aufmerksamkeit für das Thema. Dass es ganz anders geht und gerade in Nachbarschaften Isolation und Einsamkeit aufgebrochen werden, zeigt das Netzwerk Nachbarschaft. Die vorgestellten Projekte beweisen, dass Hemmschwellen am besten abgebaut werden, wenn den Betroffenen Lust an der Gemeinschaft gemacht wird. Mit kreativen Ideen, viel Schwung und vor allem: Aufmerksamkeit.

Aktiv gegen die Einsamkeit

„Gemeinsam gegen Einsam“, mit diesem Namen sind in Bergheim Nachbarinnen und Nachbarn schon vor zehn Jahren angetreten. Ihre Idee hat sich bewährt: Sie helfen älteren Menschen bei der Pflege sozialer Kontakte und geben ihnen Hilfe im Alltag. Sie organisieren einen monatlichen Singkreis, ein Tanzcafé und eine Sportgruppe. „Hier werden viele Freundschaften geschlossen“ sagt Anni Wilbertz von der Initiative.

Gemeinsam kochen und essen

Auch im Duisburger Nachbartreff Bienenschwarm sind sich alle einig: immer alleine essen macht keinen Spaß. „Wenn man älter ist und als Single lebt, nimmt man ausgewogene Ernährung oft nicht mehr so ernst. Deshalb treffen wir uns in der Nachbarschaft regelmäßig zum gemeinsamen Kochen. Wir tauschen traditionelle Rezepte aus und wagen uns auch an neue Zutaten und Speisen“, so Susanne Heß vom Bienenschwarm. Schon seit 2014 kocht die Gruppe aus acht Seniorinnen einmal monatlich gemeinsam.
In Rheinbach machen es sich die NachbarInnen ganz leicht. Ihre Initiative „The Bänk for better anderständing“ holt alle Altersgruppen hinter dem Ofen vor. Jede Woche wechselt die bunt bemalte Bank vor das Haus eines anderen Nachbarn. Dort trifft man sich. Eine geniale Idee, die jeder nachmachen kann, urteilte das Netzwerk Nachbarschaft. Und verlieh der umtriebigen Anwohnerschaft dafür den Nachbar-Oskar.

Mehr über die Initiativen:

Gemeinsam gegen Einsam

Nachbarschaftstreff Bienenschwarm

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