Ökologie

Es brummt im Bienen- und Kulturgarten

Wir hören nicht auf! Seit 2006 bauten die 250 Nachbarn aus München Nistkästen und Beete. Dann sollte ihr Pachtvertrag gekündigt werden.

Bienengarten Artikel

Hobbygärtnerinnen und -gärtner aus zwölf Nationen bewirtschafteten im Münchner Stadtteil Hadern über viele Jahre ihre Parzellen. Einen ungenutzten Acker verwandelten sie gemeinsam in ein grünes Paradies. Vor zwei Jahren stellten die Nachbarn Bienenstöcke auf – seitdem gaben sie den Kindern der Umgebung Einblicke in das geschäftige Leben der Tiere. Letzten Sommer ging es richtig rund: Die Nachbarn bepflanzten Zäune, bauten Sitzecken und legten eine Gemeinschaftswiese mit Blumenbeeten an. Sie errichteten einen neuen Kinderspielplatz, Nistkästen für Vögel und Insektenhotels. Nicht nur die Natur blühte auf: „Durch die stetig wachsende Zusammenarbeit entstand in kurzer Zeit ein intensives Kennen- und Schätzenlernen von Menschen aus vielen Nationen und Erdteilen, aus allen Generationen und aus sehr unterschiedlichen sozialen Hintergründen“, erzählt Eugen Kuntze, Gründungsmitglied der Nachbarschaftsinitiative.

„Urban Gardening findet immer einen Platz“

Als Ende 2013 bekannt wurde, dass der Pachtvertrag für das 5.000 Quadratmeter große Gelände nicht verlängert würde, ließen sich die Nachbarn nicht entmutigen. Schon seit Jahren betrieben die Münchner Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache: Sie sprachen mit Spaziergängern, stellten Infostände auf und luden regelmäßig Pressevertreter in ihren Garten ein. Kurzum: Der Gemeinschaftsgarten war inzwischen stadtbekannt. In der Bürgerversammlung konnten die Nachbarn daher schnell durchsetzen, dass die Stadtverwaltung selbst nach einem passenden Grundstück für einen Umzug Ausschau hielt. Mit Erfolg! Inzwischen steht ein städtisches Gelände zur Verfügung, der Umzug ist in vollem Gange. Eugen Kuntze freut sich: „Durch unsere Eigen-PR konnten wir nachhaltige Kontakte mit der Politik aufbauen. Urban Gardening ist inzwischen fester Bestandteil einer Stadtkultur, in der wir gemeinsam unsere Lebensbedingungen selbstbestimmt gestalten.“ Bald wird also ein neuer Garten erblühen und mit ihm die Gemeinschaft der Nachbarn. Der Frühling kann kommen!