Ökologie

Vergissmeinnicht: Kallers Vermächtnis

In Hamburg-Hohenfelde verwandeln Nachbarn eine triste Verkehrsinsel in ein Blumenmeer – dahinter steckt eine rührende Geschichte.

Kallersche-Gaerten Artikel

Es ist gut 10 Jahre her, da kam der 79-jährige Werner Kaller auf die Idee, die Verkehrsinsel in der Hamburger Barcastraße zu neuem Leben zu erwecken. Der Rentner und Hobbygärtner machte nicht viel Aufhebens und schritt beherzt zur Tat. Im Alleingang befreite er den Boden von Unrat, Unkraut und Steinen. Dann erneuerte er die Erde, säte Blumen und pflanzte Tulpenzwiebeln – alles auf eigene Kosten. Die Anwohner staunten über den unerwarteten farbenfrohen Fleck in ihrer Mitte und zollten Nachbarn Kaller für seine Initiative viel Beifall. Alle Jahre wieder waren die Nachbarn in gespannter Erwartung, was der „Pate der Verkehrsinsel“ an neuen blumigen Überraschungen bereit hielt.

Einer für alle...

Im Frühjahr 2011 wurde es plötzlich ruhig auf der Insel – Herr Kaller war wie vom Erdboden verschluckt. Von seiner Tochter erfuhren Nachbarn, dass er in eine Seniorenresidenz umgezogen war. Die Betroffenheit unter den Nachbarn war groß. Anwohner Jürgen Hegger erinnerte sich daran, dass Kaller einmal sagte: „Hunderte Menschen haben sich gefreut, aber es war noch keiner dabei, der sagte: ‚Ich mache das auch!’“ Für Hegger war das der zündende Moment: Er beschloss zusammen mit Darek Kokoszewski, das Werk von Kaller zu erhalten und fortzusetzen.

... und alle für einen!

Die beiden riefen ihre Nachbarn zum Mitmachen auf und viele kamen. Schnell war allen klar: Das Blütenmeer auf der Verkehrsinsel war ein Geschenk, das gepflegt werden wollte. Keiner in der Nachbarschaft wollte diese Oase missen. Seither pflegen ca. acht AnwohnerInnen gemeinsam die neu erschlossenen Grünflächen. Sie jäten, pflanzen und pflegen ihre Verkehrsinsel in gemeinsamer Aktion – jedes Jahr. „Als Herr Kaller im Juni 2011 starb, beschlossen wir, im Gedenken an diesen wunderbaren Menschen und Hobbygärtner unser Projekt ‚Kallersche Gärten’ zu nennen“, erzählt Jürgen Hegger. Um ihre Aktionen besser organisieren zu können, riefen sie sogar eine Internetseite ins Leben. Dort werden die Termine für die alljährlichen Begrünungs-Aktionen bekannt gegeben. Die Kallerschen Gärten – von einem einzelnen gestartet – leben heute als Patenschafts-Projekt in der Nachbarschaft weiter. Und nicht nur die Pflanzen – auch die Freundschaften unter den Nachbarn gedeihen prächtig! Wer dieses Projekt finanziell oder mit Tatkraft unterstützen möchte, ist herzlich willkommen. Kontaktdaten finden Sie auf www.kallersche-gaerten.de!