Experten

Dr. Gunter Mann

Dr. Gunter Mann, Präsident des Bundesverband GebäudeGrün e.V. und Diplom-Biologe, berät Netzwerk Nachbarschaft ab sofort in Fragen zur klimaschützenden Begrünung von Dächern, Fassaden und Innenräumen.

Gunter Mann

Für Netzwerk Nachbarschaft beantwortet Dr. Gunter Mann wichtige Fragen zur Gebäudebegrünung und räumt bestehende Unsicherheiten aus.

Herr Dr. Mann, unsere Umfragen haben gezeigt, dass die Bereitschaft zur Fassaden- und Dachbegrünung in der Bevölkerung recht hoch ist. Was steht aus Ihrer Sicht einer flächendeckenden Umsetzung vor allem in Städten entgegen?

Einerseits brauchen wir eine klare und unbürokratische Förderpolitik, die die hohe Akzeptanz zu konkreten Handlungen führt. Viele Kommunen haben bereits Fördertöpfe eingerichtet. Doch für eine Begrünungsoffensive vor allem in den Städten gilt es auch, Vorurteile abzubauen und die Beratung zu stärken. 

Viele denken, dass der Pflegeaufwand zu hoch sei. Stimmt das eigentlich noch?

Wie jedes andere lebende Grün muss auch die Dachbegrünung mal gepflegt werden. Bei einer extensiven Dachbegrünung hält sich die Pflege in Grenzen. Wir unterscheiden zwischen einer bodengebundenen Fassadenbegrünungen – dann sind ein- bis zweimal jährlich verschiedene Instandhaltungsmaßnahmen durchzuführen – und der wandgebundenen Fassadenbegrünung, Letztere ist etwas aufwändiger. Doch beide Systeme sind lohnenswerte Investitionen, die ein deutlich besseres Stadtklima erzeugen. Durch die Bepflanzung erzielen wir ja auch eine Fülle an positiven Wirkungen, die gar nicht gegenzurechnen sind. Bei immer stärker verdichteten Städten kommen wir nicht mehr umhin, in Stadt- und damit Gebäudegrün zu investieren.

Wie verhält es sich mit den Kosten für Dach- und Wandbegrünungen und die Pflege? Sind die aus Ihrer Sicht verhältnismäßig?

Wir vom Bundesverband GebäudeGrün e.V. (BuGG) führen alle zwei Jahre eine Umfrage bei allen deutschen Städten über 20.000 Einwohner durch und weisen die direkten und indirekten Förderungen von Gebäudebegrünung aus. Die Ergebnisse der letzten Umfragen sind unter www.gebaeudegruen.info zu finden.
Durch die Förderprogramme, die viele Städte bereits anbieten, rechnet sich die Investition. Bedenken Sie, dass die Begrünung auch die Energie-Kosten der Hausbewohner reduzieren hilft und für ein gesünderes Wohnumfeld sorgt. Unsere Empfehlung: Hausbesitzer oder Wohneigentümergemeinschaften sollten vor Bau- bzw. Begrünungsbeginn beim örtlichen Bau- bzw. Gartenamt nach Zuschüssen fragen.

Welche Vorteile schaffen Dach- und/oder Fassadenbegrünungen?

Fassadenbegrünungen sorgen mit ihrer Verdunstungsleistung für „frische“ Luft und tragen dazu bei, den urbanen Hitzeinseln entgegenzuwirken. Wie auch die Dachbegrünungen kühlen sie das Gebäude und ihre Umgebung durch Verdunstung und bewahren es durch Verschattung vor der großen Sommerhitze.
Zudem schützt die Begrünung der Hauswand besser vor Witterungseinflüssen, UV-Strahlung und, auch wenn es sich kurios anhört, vor Graffiti. Es kommt zur Minderung der Schallreflexion und Bindung von Feinstaub und Stickoxiden. Begrünte Wände und Dächer bieten Kleintieren und Vögeln neue Lebensräume und Nistmöglichkeiten. Speziell die Dachbegrünung sorgt für eine Wasserrückhaltung und damit eine Entlastung der Kanalisation und sorgt zudem für eine Erhöhung des Wirkungsgrades von Photovoltaikanlagen.

Welche Maßnahmen plant Ihr Verband, um klimafreundliche Dach- und Fassadenbegrünung noch stärker voranzubringen? Wie bewegen Sie die Menschen zum Handeln?

Wir initiieren vom 19. – 24.09.2022 erstmals die „Aktionswoche Gebäudegrün“, in der wir bundesweit zu Informationsaktionen zum Thema Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung aufrufen. Wir wollen mit verschiedenen kleinen und großen Aktionen, die jede(r) Engagierte machen kann, aufklären und Hemmnisse und Vorbehalten abbauen. Interessierte können sich unter www.gebaeudegruen.info/aktionswoche informieren.