Ökologie

Das Beet bleibt hier!

1.400 Nachbarn protestieren gegen den Regulierungswahn einer Hamburger Behörde – mit Erfolg! Jetzt gibt es mehr Freiraum für alle.

Illegales-Beet Artikel

Als Andreas Böhle im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel wie gewohnt nach „seinem“ Grünstreifen sehen wollte, war von Narzissen, Veilchen und Stiefmütterchen nichts mehr zu sehen. Das Gartenbauamt hatte das kleine Beet restlos entfernt – ohne Vorwarnung! Böhle umsorgte zu diesem Zeitpunkt schon seit drei Jahren mehrere Rabatten rund um eine etwa 300 Quadratmeter große Fläche im Stadtteil, die von der Stadt nicht mehr gepflegt wurde. Der 72-Jährige hatte das verlotterte Grün von Brennnesseln befreit und stellenweise mit Blumen bepflanzt. Böhles Ziel: sein Quartier „zur Freude der Bewohner verschönern und damit ein Zeichen setzen für mehr Tun statt Meckern“. Er hält auch offizielle Patenschaften für andere Grünflächen im Viertel. Da er für diese eine Fläche jedoch keine „Sondernutzungserlaubnis“ besitzt, habe „der ordnungsgemäße Zustand wiederhergestellt“ werden müssen, beharrt die zuständige Behörde.

Aus Wut wird Aktion

Die Empörung der Nachbarn war groß, Zeitungen und Fernsehen berichteten. Bis dahin hatte sich der Ruheständler meist allein um seine Beete gekümmert. Seither kommt jedoch Bewegung in die Nachbarschaft. Die Politik schaltete sich ein: Bezirksabgeordnete von CDU und Linke halfen dabei, das Beet wieder anzulegen. In kurzer Zeit sammelte Böhle 1.400 Unterschriften gegen die Zerstörung seines Beetes. Viele Nachbarn sprachen dem Hobbygärtner ihre Anerkennung aus und boten ihre Hilfe an. „Die Stimmung bei uns hat sich deutlich gewandelt“, freut sich Böhle. „Erst jetzt habe ich erleben dürfen, wie viele Menschen meine Blumen auch ohne extra Kommentar wahrgenommen und sich daran erfreut haben. Ich hoffe sehr, dass ich durch mein Engagement viele Nachahmer motivieren kann.“

Neue Verantwortlichkeit

In vielen städtischen Nachbarschaften übernehmen Anwohner eigeninitiativ die Pflege von Grünstreifen, Verkehrsinseln und verwilderten Parkanlagen. So machen’s auch die Nachbarn der Kallerschen Gärten in Hamburg und der IG Blumenberg in Köln. Zur Freude aller Anwohner gewinnen sie dafür auch noch Preise. „Wir zeichnen solche Projekte aus und ermuntern zur Nachahmung“, sagt Erdtrud Mühlens, Gründerin von Netzwerk Nachbarschaft. „Behörden sollten Nachbarn, die sich so für das Wohnumfeld engagieren, ein herzliches Dankeschön zurufen, statt ihnen auch noch Steine in den Weg zu legen!“

Zeigen auch Sie Ihren grünen Daumen!

Sie bekennen sich aktiv zum „Urban Gardening“? Dann schicken Sie uns Ihr Bild mit kurzem Text. Wir stellen Ihre Begrünungsaktion allen Nachbarn vor. Mail an: info@netzwerk-nachbarschaft.net

NDR extra 3 berichtete über den Fall des „illegalen“ Blumenbeetes:

 

Mehr Informationen:

Webseite der Kallerschen Gärten

Webseite der IG Blumenberg e.V.