Das Netzwerk

„Wir können viel bewegen!“

2004 gründete Erdtrud Mühlens mit dem Netzwerk Nachbarschaft die erste bundesweite Plattform für familienfreundliche, generationengerechte und multikulturelle Gemeinschaften im Wohnumfeld. „Wir haben es selbst in der Hand, wie wir unser Wohnumfeld gestalten wollen,” sagt Gründerin Erdtrud Mühlens. Ein Interview.

Portrait-EM

Wie haben Sie den zehnten Geburtstag von Netzwerk Nachbarschaft erlebt?

Mühlens: Als ein sehr positives Jahr für die Nachbarschaften und für das Netzwerk. Bei unserem Wettbewerb „Die schönsten Nachbarschafts-Aktionen 2014“ haben sich über 100.000 Nachbarn engagiert und ihre vielfältigen Projekte dokumentiert. Besonders freue ich mich über die Kooperation mit der AOK Rheinland/Hamburg. Mit dem gemeinsamen Projekt „Gesunde Nachbarschaften“ zeigen wir anschaulich, wie sich Nachbarschaften für das Wohl ihrer älteren Mitbewohner einsetzen können. Viele wegweisende Projekte haben sich dem Netzwerk angeschlossen.

Ist Nachbarschaft eine Art Familienersatz?

Mühlens: Ja, im besten Sinne ist sie eine Wahlverwandtschaft. Sie hat eine hohe Bedeutung  für die alleinwohnenden älteren Menschen, deren eigene Familien oft weit verstreut leben. Wie viele Großeltern wohnen denn heute noch am Ort ihrer Familie, ihrer Enkel? Je älter wir werden, desto wichtiger wird es, dass Nachbarn da sind, wenn wir sie brauchen und wir uns mit ihnen austauschen können. Das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit hilft besonders den Senioren unter uns, ihre Selbständigkeit zu bewahren. Meist leben ältere Menschen schon 30 oder mehr Jahre in ihrer Umgebung. Da tragen gute und gewachsene Beziehungen zu den Nachbarn entscheidend zur Aufrechterhaltung der Lebensqualität bei.

Wie unterstützt Netzwerk Nachbarschaft diese Prozesse?

Mühlens: Wir fördern den Austausch der Nachbarschaften untereinander und machen die Beispiele guten Miteinanders in Mehrgenerationen-Gemeinschaften überall in Deutschland bekannt. Damit beflügeln wir die Werte-Diskussion in unserer Gesellschaft, zeigen neue Wege auf. Gerade das Projekt „Gesunde Nachbarschaften“ liefert hierzu konkrete Antworten. Ich freue mich, dass der Zusammenhalt in Nachbarschaften über alle Generationen hinweg deutlich wächst. Diese Bewegung werden wir auch im kommenden Jahr mit vielfältigen Aktionen unterstützen und stärken.

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