Bauen & Wohnen

Nein zum Immobilienhai!

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Beim Sommerfest am Gemeinschaftshaus geht es fröhlich und gesellig zu.

Bildquelle: Stefan Urbanski

Der Vereinsvorstand kümmert sich um alle organisatorischen Angelegenheiten.

Bildquelle: Stefan Urbanski

Das Gemeinschaftshaus erstrahlt heute in neuem Glanz.

Bildquelle: Stefan Urbanski

Als ein Immobilienunternehmen ihr Gemeinschaftshaus abreißen will, rebellieren die Lübecker Nachbarn. Mit Erfolg!

Unter dem Motto „Rettet das Gemeinschaftshaus“ machten zunächst fünf Nachbarn via Mundpropaganda und Informationsschreiben auf das drohende Schicksal des Treffpunkts aufmerksam. Sie riefen zur Entrümpelung und Renovierung des vernachlässigten Hauses auf. Insgesamt 25 hilfsbereite Nachbarn beteiligten sich an der erfolgreichen Aktion – das schweißte zusammen! Mit neuem Rückenwind reaktivierten sie den inaktiv gewordenen Trägerverein des Gemeinschaftshauses und stellten ihn auch finanziell auf eine solide Basis. Zur Wiedereröffnung veranstalteten die Nachbarn einen Tag der offenen Tür und lockten so über 200 Besucher in die neuen Räumlichkeiten! Die Solidarität unter den Beteiligten sorgte für breite Unterstützung: Die Aussicht auf gemeinsame Veranstaltungen und Projekte in Eigenregie feuerte alle an; auch die Stadt Lübeck honorierte das nachbarschaftliche Engagement. Heute betreibt der „Gemeinschaftshaus Gärtnergasse-Weberkoppel e.V.“ den Nachbarschaftstreffpunkt mit einem bunten Programmangebot und rund 100 Mitgliedern. „Manchmal wundert es uns selbst, dass wir es doch noch geschafft haben, den Mittelpunkt unserer Siedlung in letzter Minute zu retten“, sagt Stefan Urbanski, Vorstandsmitglied des Vereins. „Wir haben erfahren, dass viel möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen.“

Breites Programm für Jung und Alt

Das Gemeinschaftshaus steht allen Nachbarn offen, unabhängig von einer Vereinsmitgliedschaft. Die Kinder und Jugendlichen aus dem Wohnumfeld treffen sich hier einmal in der Woche zu unterschiedlichen Gruppen und lernen Gleichaltrige aus der Siedlung kennen. Spielstunden, Kinderturnen, eine Waldgruppe – die Angebote ziehen immer mehr Jugendliche an. Die Erwachsenen und Senioren nutzen die Räumlichkeiten zum gemeinsamen Fitness-Training. Der monatliche Seniorenkreis und ein After-Work-Stammtisch werden begeistert besucht. Zudem veranstalten die Nachbarn regelmäßig Events wie Zeltwochenenden für Väter und Kinder, Ferienprogramme, Laternenumzüge, Sommerfeste und Autorenlesungen. Stefan Urbanski und seine MitstreiterInnen sind stolz: „Wir haben es geschafft, das Gemeinschaftshaus für die Nachbarschaft rundum schöner zu gestalten und unsere Nachbarschaft neu zu beleben.“ Die vielen positiven Rückmeldungen der Anwohner und der rege Zulauf ins Gemeinschaftshaus bestätigen dies.

Für Nachbarn immer offen!

Gemeinsam entwickeln die Nachbarn jetzt weitere Angebote, um noch mehr junge und ältere Anwohner zu erreichen. Das Außengelände soll um weitere Sportmöglichkeiten ergänzt werden; gestartet wird mit einer Tischtennisplatte und einem Volleyballnetz. Auch die Senioren werden fortan stärker unterstützt. Für alleinlebende ältere Nachbarn soll die Vortrags- und Lesereihe erweitert werden. „Die Älteren können uns allen viel von ihrer Lebens- und Berufserfahrung weitergeben“, sagt Katrin Krüger, 2. Vorsitzende des Vereins, „und sie können sich hervorragend einbringen, zum Beispiel bei der Betreuung von Naturrundgängen oder Häkelkursen.“

Mehr Nachbarschafts-Treffpunkte

Mit ihrer erfolgreichen Aktion haben die Lübecker die Diskussion um die Wichtigkeit von Gemeinschaftszentren im Wohnumfeld über die Stadtgrenzen hinaus belebt. „Nachbarschaft braucht den Austausch untereinander“, meint auch Erdtrud Mühlens vom Netzwerk Nachbarschaft. „Uns zeigt diese solidarische Aktion, dass es ein neues Gemeinschaftsdenken gibt und dass eine starke Bereitschaft besteht, sich für mehr Zusammenhalt unter Nachbarn zu engagieren. Im Lübecker Stadtteil St. Jürgen wird er gelebt. Das ist vorbildlich!“