Experteninterview – Dr. Ellen Fuchs zum Thema Gesunde Ernährung im Alter

Neue Rezepte für ältere Genießer

Gesunde Ernährung im Alter hat viel mit gutem Appetit zu tun. Nachbarn, die für ihre ältere Mitbewohner kochen, machen die Erfahrung: Nicht alles was gesund ist, schmeckt älteren Menschen auch. Ihr Fazit: Die Lust aufs Essen kommt mit der Geselligkeit! Dr. Ellen Fuchs, Expertin der AOK Rheinland/Hamburg im Interview zum Thema Appetit-Anreger und gesunde Rezepte.

Wie macht man älteren Menschen, die nicht mehr so gerne essen, wieder Appetit?

Man sollte wissen, dass sich unsere Geschmacksknospen Im fortgeschrittenen Alter zurückbilden, dadurch verschieben sich die Schwellenwerte für süß, salzig, sauer und bitter. Ich empfehle daher, die Gerichte kräftiger zu würzen, nicht zu salzig, dafür aber mit vielen frischen Kräutern. Sonst schmeckt es schnell zu fade. Es ist auch wichtig, die Mahlzeiten hübsch anzurichten und so zu dekorieren, dass es Spaß macht zu essen. Die Augen essen schließlich mit und helfen so dem Appetit.

Was empfehlen Sie: eher kleine oder größere Portionen?

Wenn einem älteren Nachbarn Bewegungen immer schwerer fallen, empfehle ich kleinere Portionen. Denn der Energieumsatz bewegungseingeschränkter Menschen sinkt und damit auch ihr Nahrungsbedarf. Eine 75-Jährige hat zum Beispiel einen 35 Prozent geringeren Energieverbrauch als ein 25-Jähriger. Um den Hunger und Appetit anzuregen, können wir ältere Senioren auch dabei unterstützen, sich mehr zu bewegen. Schon ein kurzer Spaziergang oder ein Besuch im Café kurbeln den Energieverbrauch an und fördern den Appetit! Die Lust zu essen wächst.

Gibt es weitere „Tricks“, wie man älteren Menschen Lust auf Essen machen kann?

Grundsätzlich gilt es, die älteren Menschen mit ihren Bedürfnissen ernst zu nehmen. Es sind immer mehrere Faktoren, die unsere Ernährung beeinflussen, das gilt auch im fortgeschrittenen Alter. Ein lapidares „Du musst aber essen“ stößt da eher auf Ablehnung und ist kontraproduktiv. Wir sollten uns daher fragen, wieso der Appetit fehlt. Leidet der ältere Mensch an Erkrankungen? Nimmt er Medikamente, die den Hunger ausblenden? Steckt er in einer sozial oder psychisch belastenden Situation? Hat er altersbedingte Probleme, wie Kau- und Schluckbeschwerden oder eine abnehmende Verdauungsfunktion? Liegen solche Faktoren vor, dann kann die Nahrungsaufnahme als lästige Notwendigkeit empfunden werden. Ältere Menschen essen dann nicht mehr regelmäßig, weil es ihnen einfach keine Freude bereitet. Nachbarn, die ihre Mitbewohner bekochen, können also auch den Spaß am Essen zurückbringen.

Welche Rolle spielen dabei alte Essgewohnheiten?

Eine große! Ich empfehle Nachbarn, doch einfach nach dem Lieblingsessen, nach „Haus“-Rezepten zu fragen und wann immer es möglich ist, zusammen zu kochen. Die Aussicht auf das leckere Essen, noch dazu in Gesellschaft vertrauter Nachbarn, motiviert. Wenn ein älterer Nachbar nicht mehr so viel essen will, sind kleinere Portionen angeraten, die man über den Tag verteilt. Manchmal hilft es, Obst oder Gemüse vorab in mundgerechte Stücke zu schneiden oder als Püree zu reichen.

Wie viel Essen darf sein?

Gesunde Ernährung soll dazu beitragen, das Normalgewicht zu halten und Mangelernährung zu vermeiden. Das wird im fortgeschrittenen Alter immer wichtiger, da zunehmend Muskeln abgebaut werden und so auch die Gefahr von Stürzen und Knochenbrüchen steigt. Wichtig ist nicht die Menge des Essens, sondern der Nährstoffgehalt. Also täglich mehrere Portionen Obst und Gemüse, ein Glas Milch, Joghurt, Quark oder Käse, stärkehaltige Beilagen und mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit. Mehrmals pro Woche darf es dann Fleisch, Fisch oder ein Ei sein.

Zur Unterstützung der altersgerechten Ernährung stehen auf den Infoportalen Gesund & Aktiv älter werden und “In Form” viele Informationen und Hinweise bereit, sowie die Teilnahme an unserenVorsorgeprogrammen.

© Foto: AOK-Mediendienst

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