Experteninterview – Bernd Hülsdünker zum Thema Pflege-unterstützung

So erhalten Nachbarn Hilfe für ihr Pflegeengagement

Seit dem 1. Januar 2015 gilt das Pflegestärkungsgesetz, das gerade auch die Nachbarschaftshilfe in der Pflege stärkt. Die für Pflegebedürftige und deren Angehörige erbrachten Leistungen wurden angehoben und flexibler gestaltet. Bernd Hülsdünker beantwortet Fragen zur Förderung nachbarschaftlicher Hilfsdienste.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es konkret für Nachbarn – Einzelne und Gruppen –, die sich für die Gesundheit ihrer älteren Mitbewohner engagieren?

Die Nachbarschaftshilfe wird mit dem Pflegestärkungsgesetz bewusst gefördert. Wer sich als nachbarschaftlicher Betreuer engagieren möchte, sollte sich zunächst bei der Krankenkasse des Pflegebedürftigen nach einem Pflegekurs erkundigen. Denn die erfolgreiche Teilnahme ist Voraussetzung für die Inanspruchnahme eines Zuschusses. Bis zu 104 bzw. 208 Euro pro Monat können dann fließen. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie bei dem für sie zuständigen Pflegestützpunkt*.

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, um finanzielle Unterstützung nach dem Pflegestärkungsgesetz zu erhalten?

Wie bereits erwähnt, ist die wichtigste Voraussetzung die Teilnahme an einem anerkannten Pflegekurs. Ob bis zu 104 oder 208 Euro gezahlt werden, hängt von der Alltagskompetenz des Pflegebedürftigen ab. Ohne eine festgestellte Einschränkung werden maximal 104 Euro gezahlt.

Wie gehen betroffene Nachbarn am besten vor und wo erhalten Sie Rat?

Die Nachbarn sollten sich an die Pflegekasse des Pflegebedürftigen wenden. Dort erfahren sie auch alles Nähere zur Anerkennung und zu einem Pflegekurs. Bei der AOK Rheinland/Hamburg wird die umfassende und individuelle Beratung durch speziell qualifizierte Pflegeberater sichergestellt, die gerne weiterhelfen.

Wie können Nachbarn älteren Mitbewohnern bei der Beantragung von Umbaumaßnahmen helfen?

Die für Umbaumaßnahmen bereitgestellten Gelder sind deutlich erhöht worden. Das betrifft die Unterstützung für Umbaumaßnahmen wie der Einrichtung einer barrierefreien Senioren-WG und den „Wohngruppenzuschlag“, also Zuschlägen für Wohngruppen mit einer sogenannten Präsenzkraft. Nachbarn können für die Einrichtung einer altersgerechten Wohngemeinschaft statt mit vorher 10.228 jetzt mit bis zu 16.000 Euro rechnen –  plus Anschubfinanzierung von max. 10.000 Euro pro Wohngruppe.
Sie sollten sich zunächst an die AOK-Pflegeberater wenden, die sich in der Region auskennen und alle vorhandenen Möglichkeiten aufzeigen können. Zudem arbeitet die AOK Rheinland/Hamburg eng mit sogenannten Wohnberatungsagenturen zusammen, die es in den meisten Städten in Nordrhein-Westfalen gibt. Diese Agenturen arbeiten für die Pflegebedürftigen kostenlos. Wichtig ist: die Zuschüsse für Umbaumaßnahme müssen vor Baubeginn beantragt und genehmigt sein.

*Infos zu den Pflegestützpunkten gibt es auf der Internetseite der AOK Rheinland/Hamburg

© Foto: AOK-Mediendienst

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