Bauen & Wohnen

Wer sich nicht wehrt ...

Dieser Weg wird kein leichter sein – das ahnten die Anwohner des Warsteiner Grenzwegs früh. Doch sie entschieden sich, zu kämpfen.

Artikel Grenzweg

Es musste ja nur mal ordentlich regnen und schon verwandelte sich der Warsteiner Grenzweg in eine ausladende Pfützenlandschaft. Die Anwohner konnten ihre Straße dann kaum mehr passieren. Mit ihrem Vorschlag, den maroden Weg zu erneuern, stieß die Warsteiner Stadtverwaltung daher auf offene Ohren bei den Nachbarn. Doch die veranschlagten Kosten von 215.000 Euro, die zu 90 Prozent von der 19-köpfigen Anliegergemeinschaft getragen werden sollten, machten die gute Stimmung gleich wieder zunichte.

„Wir wussten, wir sind im Recht“

Die Kosten sind viel zu hoch! – entschied der engagierte Nachbar Walter Eilhard und wandte sich an seinen Bekannten Ferdi Kühle, der damals Mitglied im Bauausschuss war. Als pensionierter Straßenbauer mit viel Sachverstand, entwarf dieser eine technische Zeichnung und stellte eine Kostenkalkulation auf. Ergebnis: Für den einfachen Anlieger-Pkw-Verkehr würde eine reduzierte Lösung vollends genügen, die Bausumme ließe sich auf 70.000 Euro reduzieren, knapp ein Drittel der von der Stadtverwaltung veranschlagten Kosten! „Wir wussten, wir sind im Recht“, erinnert sich Eilhard.

Richtfest mit dem Bürgermeister

Mit Hilfe eines Anwalts überzeugten die Grenzwegler ihre Stadtverwaltung nach und nach von der Rechtmäßigkeit ihrer Intervention. Fünf Jahre nach Einlegen des Widerspruchs wurden die Pläne der Anlieger endlich realisiert, die vorgelegte Kalkulation der Anliegergemeinschaft wurde um keinen Euro überschritten. Schließlich lenkte die Stadt Warstein ein, mehr noch: sie erklärte das „Projekt Grenzweg“ zur Blaupause, die auch über Warstein hinaus Schule machen soll. Beim Richtfest im Mai 2016 stieß auch der neue Bürgermeister mit an.

Nachbar-Oskar für Mut und Tatkraft

Für ihr beherztes Projekt zeichnete das Netzwerk Nachbarschaft die Anwohner-Gemeinschaft des Grenzwegs mit dem begehrten Nachbar-Oskar aus!
 „Wir freuen uns, dass die Anwohner des Grenzwegs ihr wegweisendes Projekt beim Wettbewerb ‚Die schönsten Nachbarschaftsaktionen’ eingereicht haben“, sagt Erdtrud Mühlens von Netzwerk Nachbarschaft. „Diese beeindruckende Initiative zeigt, wie lohnend es ist, sich als Interessensgemeinschaft aufzustellen. Dabei haben die Nachbarn auch noch eine ausgezeichnete Vorlage für ähnlich gelagerte Straßenbauprojekte geschaffen. Hut ab!“ Widerstand, so lehren die Warsteiner und viele weitere Projekte im Netzwerk Nachbarschaft, ist eben alles andere als zwecklos.

 

 

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