Das Netzwerk

"Es entsteht eine neue Intelligenz"

Dass sie eine engagierte Netzwerkerin ist, nimmt man der Gründerin von Netzwerk Nachbarschaft gerne ab. Seit 2004 betreibt sie mit einem erfahrenen Team Deutschlands größte Community für aktive Nachbarn. Ein Interview mit Erdtrud Mühlens.

 

Erdtrud Mühlens, Initiatorin von Netzwerk Nachbarschaft

Sind Sie eine gute Nachbarin, Frau Mühlens?

Ich glaube ja. Ich mag meine Nachbarn. Wir haben zusammen schon viel auf die Beine gestellt...

Zum Beispiel?

Den Einbau eines Aufzugs in unserem Haus. Vorher befragten wir Nachbarn. Das hat uns richtig geldwerte Vorteile verschafft und erstklassige Referenzen. Oder das 100-jährige Jubiläumsfest unserer Straße mit einer 60 Meter langen Tafel, Musik, Spielangeboten und der Ehrung unseres Briefträgers. Da habe ich viele aus meiner Straße besser kennengelernt und u.a. eine Doppelkopfrunde gegründet.

Wie kamen Sie auf die Idee, das Netzwerk Nachbarschaft zu gründen?

Die entstand aus einem Wettbewerb, den meine Agentur für einen Kunden konzipiert hatte. Gesucht wurden Nachbarschafts-Initiativen, die sich für ein besseres Wohnumfeld stark machen. Wir waren tief beeindruckt von den Aktionen der Nachbarn, die sich bewarben. Da hatten wir einen Schatz gehoben. Es war nur konsequent, eine Plattform zu entwickeln, die den Nachbarschaftsgedanken multipliziert. So konnten wir die Kontakte zu Initiativen systematisch ausbauen, neue Impulse setzen und Förderer ins Boot holen.

Das muss doch finanziert werden. Wie haben Sie das gemacht?

Mit eigenen Mitteln und sozialem Bewußtsein. Die Entscheidung, Netzwerk Nachbarschaft zur interaktiven Community auszubauen, war wohlüberlegt. Das engagierte Team in meiner Agentur hat wirklich tolle Arbeit geleistet und viele Freunde wie der Künstler Janosch haben das Projekt tatkräftig unterstützt. Als Agentur für strategische Netzwerke und Kommunikation verfügen wir ja über das erforderliche Instrumentarium und Know-how, über Kontakte zur Politik, zu den Medien und zu engagierten Unternehmen. Ursula von der Leyen übernahm gerne die Schirmherrschaft. Schöner Wohnen und viele regionale Medien machten mit, und die BHW Bausparkasse engagierte sich als Sponsor.

Mit dem Ergebnis, dass heute rund 1.300 Initiativen zum Netzwerk gehören, mit 160.000 aktiven Nachbarn.

Ohne diese Kräfte wäre Netzwerk Nachbarschaft nicht da, wo es heute steht.
Es ist eine Erfolgsgeschichte, eine sehr dynamische. Gute Nachbarschaft setzt sich durch, und sie kann sehr viel bewegen. Denn es sind Vorteilsgemeinschaften, bei denen alle gewinnen.

Beim Stichwort Nachbarn denkt man ja oft auch an Streit. Wie schaffen Sie es, für harmonische Nachbarschaft eine so große Öffentlichkeit zu erzeugen?

Weil die Erfolge der Nachbarn wirklich spektakulär sind. Sie sparen viel Geld, indem sie Großgruppen und Einkaufsgemeinschaften bilden oder gemeinsam modernisieren. Sie schaffen neue soziale Kompetenzen, mehr Miteinander der Generationen und Kulturen, gründen KiTas, bauen Spielplätze. Und um noch besser agieren zu können, vernetzen sie sich miteinander. Da entsteht eine neue Intelligenz. Wir liefern den Redaktionen den Stoff für spannende Geschichten und informieren sie über die Verdienste der Sponsoren und Förderer.

Was bietet die Internet-Plattform Netzwerk-Nachbarschaft.net Besonderes?

Nachbarn können sich hier im geschützten Umfeld organisieren, Tipps, Checklisten und detaillierte Erfahrungsberichte von anderen Nachbarn abholen. Und die Benutzer werden von einem ambitionierten Team betreut. Das macht diese Community sehr real, glaubwürdig und spannend.

Wie können sich Sponsoren ins Netzwerk einbringen?

Wir sprechen Sponsoren und Förderer mit konkreten Projekten an, bei denen sie sich als kompetente Partner der Nachbarn profilieren können. Wir werden aber auch von Unternehmen angesprochen. Wir beraten die Partner individuell und vermitteln ihnen einen nachhaltigen Kontakt zu 'Change-Makern' und Multiplikatoren. Dafür konzipieren wir Wettbewerbe und Kampagnen. Gemeinsam mit Nachbarn entwickeln wir auch intelligente Modellprojekte im nachbarschaftlichen Umfeld. An der Erfolgsgeschichte Netzwerk Nachbarschaft sollen alle teilhaben.

Was ist Ihr nächstes Projekt?

Der Wettbewerb „Die schönsten Straßenfeste 2012“ – diese Aktion führen wir jedes Jahr durch, und sie erfreut sich größter Beliebtheit. Straßenfeste sind ja oft der Kick-off für weitere Nachbarschaftsprojekte, sie fördern gute Nachbarschaft sehr nachhaltig. Gerade entwickeln wir eine bundesweite Kampagne gemeinsam mit einem sehr engagierten Sponsor-Partner. Darüber möchte ich aber noch nichts verraten.

Wir sind gespannt. Danke für das Gespräch.


Das Interview führte Matthias Schnabel vom Expertenbeirat Netzwerk Nachbarschaft.

  • Sind Sie eingeloggt? Dann freuen wir uns auf Ihren Kommentar.