Bauen & Wohnen

Mit Freu(n)den zuhause

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Bildquelle: Baugemeinschaft "Kleehäuser" in Freiburg

Bildquelle: Baugemeinschaft "Kleehäuser" in Freiburg

Bildquelle: Baugemeinschaft "Kleehäuser" in Freiburg

Bildquelle: Baugemeinschaft "Kleehäuser" in Freiburg

Bildquelle: Baugemeinschaft "Kleehäuser" in Freiburg

Gemeinschaftliches Wohnen wird immer beliebter. Beispiele zur Inspiration und jede Menge Links für Interessierte.


Im Stadtzentrum Heppenheims, am Hang des Schlossbergs, haben sich acht Männer und Frauen aus drei Generationen ihren Traum vom gemeinsamen Wohnen verwirklicht. Gemeinsam mit ihrem Mann hat Ulrike Köppel dort das Wohnprojekt „LebensTRaum“ gegründet. „Unsere jüngste Bewohnerin ist 37, die älteste 76 Jahre alt“, erzählt sie. Bei der Gründung hatte das Ehepaar ein Ziel: sie wollten wie in einer Großfamilie oder einer Dorfgemeinschaft leben, mit gegenseitiger Unterstützung von Jung und Alt. Welch ein Glücksfall, als sie 2005 eine ehemalige Brauerei fanden, die zum Verkauf stand. Ulrike Köppel und ihr Mann erstanden die gesamte Immobilie und bezogen eine der sieben Wohnungen. Alle weiteren verkauften oder vermieteten sie. Im schön gestalteten und gemütlichen Innenhof treffen sie heute die Nachbarn zum Entspannen, Klönen oder Gärtnern. Das räumliche Highlight des Wohnprojektes sind die vier urigen Gewölbekeller – idealer Treffpunkt zum Feiern und für gemeinsame Veranstaltungen!

Wohnprojekte sind gefragter denn je

Alexander Grünenwald von der BauWohnberatung Karlsruhe sieht mittlerweile einen deutlichen Trend zu Wohnprojekten in Deutschland. „In den 80er Jahren wurden 36 neue Wohnprojekte gegründet, in den 90er Jahren sind schon 161 Neugründungen zu verzeichnen und zwischen 2000 und 2010 kamen 281 neue hinzu. Immer mehr jüngere Menschen, ob Singles oder junge Familien, begeistern sich für dieses Thema.“

Kompetente Beratung einholen

Will eine Gruppe gemeinsam ein Wohnprojekt gründen, sollte sie sich darüber abstimmen, in welcher Form sie ihr zukünftiges Heim organisieren möchte: Mieten, kaufen oder bauen? Grünenwald rät: „Die Gruppe sollte früh klären, wie ihre finanziellen Voraussetzungen aussehen, ob man einen investierenden Partner zum Beispiel in Form einer Wohnungsbaugesellschaft braucht und ob man als Mietergemeinschaft auftreten will. Oder sind alle Beteiligten in der Lage, die Finanzierung selbst in die Hand zu nehmen?“ Kompetente Beratung ist das A und O.
Eine Liste mit Ansprechpartnern in Ihrer Region finden Sie hier

Die richtige Form entscheidet

Für die Gründungsphase rät Alexander Grünenwald, sich zu einer GbR zusammenzuschließen, „die kommt schon zustande, wenn man sich mündlich mit Gleichgesinnten zum Zwecke eines solchen Vorhabens abspricht. Auch ein Verein ist in dieser Phase möglich.“ Geht es an die Umsetzung, sollte über andere Rechtsformen nachgedacht werden. Infrage kommen zum Beispiel eine GbR als Planungs- und Baugesellschaft, eine Genossenschaft, eine GmbH oder auch eine GmbH & Co. KG. Dazu Grünenwald: „Welche Rechtsform für den individuellen Fall am besten geeignet ist, hängt von der Zusammensetzung der Gruppe, ihren finanziellen Voraussetzungen, Zielen und Absichten ab. Grundsätzlich gilt: Es gibt keine ‚guten’ und ‚schlechten’ Rechtsformen, auch nicht solche, bei denen sich die Finanzierung grundsätzlich günstiger gestalten lässt.“
Der Prozess von der Gruppenfindung bis zur Projektrealisierung kann 3-5 Jahre in Anspruch nehmen, manchmal dauert es auch länger. Doch es lohnt sich, so Grünenwald: „Nicht nur, dass die Bewohner sich prima in allen Lebenslagen gegenseitig unter die Arme greifen und – wie jüngste Forschungsergebnisse zeigen – zufriedener, glücklicher und gesünder sind. Sie liefern auch wichtige Impulse ins Quartier und tragen mit ihren oft über das private Wohnen hinaus reichenden Angeboten zur Infrastrukturverbesserung bei.“

Gemeinsam bauen

Ein schönes Beispiel sind auch die „Kleehäuser“ im Freiburger Stadtteil Vauban. Dort haben 24 Parteien zwei Häuser mit 25 Wohneinheiten gebaut. Inzwischen wohnen hier über 70 Menschen zwischen 0 und 72 Jahren. Hartmut Wagner, einer der Bewohner, berichtet, dass das Planen und Bauen in einer Baugemeinschaft sehr viel günstiger ist als der Bau eines Einfamilienhauses oder der Kauf eines Bauträgerhauses. Seine Baugemeinschaft bringt weit mehr als „nur“ finanzielle Vorteile: „Wir haben uns durch das gemeinsame Planen und Bauen über zwei Jahre hinweg zusammengefunden und kannten unsere Nachbarn schon vor dem Einzug“, sagt Wagner. „Die von uns gewollten gemeinsamen Räume und Flächen lassen nachbarschaftliches Begegnen und Helfen im Alltag zwischen Jung und Alt ganz natürlich entstehen.“ Auf Gartenaktionstagen und Feiern treffen sich die Nachbarn der Kleehäuser regelmäßig. Wagner rät Interessierten, die ebenfalls eine Baugemeinschaft gründen möchten: „Lasst euch beraten, welche Rechtsform mit euren Zielen übereinstimmt und findet einen guten Architekten, der den Prozess gut moderieren kann und schon Erfahrungen mit Baugemeinschaften hat.“ Das Zusammengehörigkeitsgefühl kommt bei einer Baugemeinschaft automatisch, ist Hartmut Wagner überzeugt: „Beim gemeinsamen Planen und Bauen entwickelt sich von ganz allein ein lebendiges Miteinander. Wir haben uns dabei mit unseren Fähigkeiten und kleinen ‚Macken’ kennen, schätzen und respektieren gelernt. Das hat uns zusammengeschweißt, und darauf sind wir richtig stolz.“

Der Film zu den Kleehäusern

Sie interessieren sich für die „Kleehäuser“? Dann schauen Sie einfach mal rein: Zum Film  

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