Mehrgenerationen

Netzwerke für Alleinerziehende

Rund 16 Prozent der Kinder unter 18 in Deutschland leben bei nur einem Elternteil. Zu fast 90 Prozent ist dies die Mutter. Für viele von ihnen bedeutet das ein Leben unter der Armutsgrenze – trotz Berufstätigkeit! Wie können wohnortnahe Netzwerke helfen?

 

wirvomgut RP michaelagroennebaum artikelDer Anteil Alleinerziehender ist in den letzten Jahren unverändert hoch geblieben – und damit auch die enorme Belastung für Mütter und Väter, die den Lebensalltag ohne PartnerIn bewältigen müssen.
Um gemeinsam den Alltag besser meistern zu können, sind neue Strukturen in Nachbarschaften gefragt, allen voran wohnortnahe Mehrgenerationen-Netzwerke.

Wahlverwandtschaften helfen

Die Vorteile sind vielfältig. Beispielhaft zeigen das gemeinschaftliche Wohnformen, wie sie das Tanja-Ubländer-Hauses in Essen praktiziert. In dem Mehrfamilienhaus wohnen Alleinerziehende mit SeniorInnen zusammen und unterstützen sich als Wahlverwandtschaft gegenseitig im Alltag. Die Älteren betreuen die Kinder, die jungen Mütter gewinnen Zeit, um eine Ausbildung zu absolvieren oder ihrem Beruf nachzugehen. „Wir helfen uns bei der Haushaltsführung, bei der Betreuung der Kleinen und beim Kochen. Denn jede von uns hat bestimmte Interessen und Fähigkeiten, die wir untereinander und mit anderen fördern!“, berichten die BewohnerInnen. Eine andere Form der Unterstützung initiierten die NachbarInnen des Projekts „Ahl und Jung ston zusamme“ in Köln-Ehrenfeld. Sie organisierten für die Kinder regelmäßige Treffen mit den SeniorInnen eines Stifts. Heute herrscht hier ein lebhaftes Miteinander – von gemeinsamem Kochen, Basteln und Spielen bis zu Ausflügen in die Umgebung. Für die alleinerziehenden Mütter eine enorme Hilfe, für die Kinder eine große Bereicherung. Zu 100 Prozent auf Gemeinschaft ausgelegt ist das Düsseldorfer Genossenschafts-Projekt „Wir vom Gut“, eine Cohousing-Gemeinschaft von Familien, Alleinstehenden, Senioren und Paaren. Für die Mütter und Väter der Kleinsten gibt es mit zwei U3-Tagespflegen eine zusätzliche Entlastung, die auch Familien aus der nahen Umgebung offensteht.

Austauschportale für Alleinerziehende

Rückendeckung für Alleinerziehende sind die Verbände, die sich den Interessen Alleinerziehender verschrieben haben. Eine zentrale Anlaufstelle ist der 1967 gegründete bundesweite „Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V.“. Er stellt Modellprojekte zur Kinderbetreuung vor und fordert, dass Einelternfamilien durch höhere Unterhaltssätze und steuerliche Entlastungen deutlich besser unterstützt werden. 2021 wurde mit „Alltagsheld:innen“ die erste gemeinnützige Stiftung für Alleinerziehende gegründet. Sie macht durch politische Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit auf die Situation von Ein-Eltern-Familien aufmerksam und setzt sich dafür ein, dass Alleinerziehende mit ihren Kindern selbstbestimmt, finanziell wie rechtlich abgesichert und frei von Diskriminierung leben können. Auch Blogs wie mama-arbeitet.de oder gut-alleinerziehend.de machen sich für Verbesserungen der Lebenssituation von Single-Eltern stark – mit hilfreichen Tipps zum Aufbau von Netzwerken.

 

  

Weitere Informationen

Verband allein erziehender Mütter und Väter e.V.
Info und Rat zu allen relevanten Themen

Alltagsheld:innen:
Stiftung für die Rechte von Alleinerziehenden

Mama arbeitet, Blog

gut-alleinerziehend.de, Blog

Wohn-Projekte

Tanja-Ubländer-Haus
Mehr-Generationen-Wohnen

Ahl und Jong ston zusamme
Kooperation der Grundschule Lindenborn und der Senioreneinrichtung Johanniter-Stift

Wir vom Gut
Alternativ Wohnen in Düsseldorf