Bauen & Wohnen

Lasst uns zusammenziehen!

Baugemeinschaften boomen: Individuelles Wohnen in starker Gemeinschaft wünschen sich immer mehr Familien und Ältere. Dieses Wohnkonzept der Zukunft überzeugt – durch ein großes Plus an Lebensqualität für alle.  

Frauenstammtisch Artikel

Wie wichtig gute Nachbarschaft ist, hat sich nicht erst zu Corona-Zeiten gezeigt. Viele schätzen die gegenseitige Unterstützung unter NachbarInnen und wollen auf dieser wertvollen Erfahrung aufbauen. Die Idee einer Bau- oder Wohngemeinschaft starken Miteinanders nimmt Form an: "Die selbstständig gestaltete Hausgemeinschaft mehrerer Generationen ist das Wohnmodell der Zukunft!", sagt Erdtrud Mühlens, Gründerin von Netzwerk Nachbarschaft. Neben meist günstigeren Baukosten gewinnt vor allem ein Aspekt an Bedeutung: In einer Baugemeinschaft suchen und finden sich NachbarInnen und gestalten ihre gemeinsamen Interessen und Wohnvorstellungen selbst.

So geschehen auch in der Cohousing- und Klimaschutzsiedlung PrymPark in Düren. Seit 2021 engagieren sich hier 40 BewohnerInnen für das soziale und nachhaltige Wohnen aller Generationen in Gemeinschaft. Familien mit Kindern profitieren von diesem Miteinander ebenso wie ältere Menschen. Einsam ist hier niemand. Neben den privaten Wohneinheiten für Alleinlebende und Familien gibt es Gemeinschaftsräume, die alle Bewohnenden gestalten und nutzen können. In der Gemeinschaftsküche treffen sich die NachbarInnen zu Koch-Events und brunchen zusammen. Für ihr Engagement wurde die Initiative 2023 im Rahmen des AOK-Förderpreises "Gesunde Nachbarschaften" mit dem Sonderpreis für Nachhaltigkeit ausgezeichnet.

Mehr als eine Hausgemeinschaft

Ihre Vision vom idealen Wohnen haben die Kölner WunschNachbarn in die Tat umgesetzt und sich gemeinsam ein neues Zuhause gebaut. Sie wollen Nachbarschaft kreativ gestalten, Zusammenhalt leben und Ressourcen schonen. Werkzeug, Waschmaschine & Co werden geteilt, die Kinder wachsen wie in einer Großfamilie auf: 27 NachbarInnen jeden Alters leben seit einigen Jahren in einem Mehrfamilienhaus. "Wir wollen mehr sein als eine nette Hausgemeinschaft", sagt Bewohnerin Jana Spille, "unsere Freude an Austausch, Hilfe und Geselligkeit wirkt ins Viertel hinein." Das Repair-Café oder die kulturellen Treffen im Gemeinschaftsraum sind in der ganzen Nachbarschaft beliebt.

Wohnprojekte mit Herzblut

Tatendrang und Ausdauer sind nötig, um gemeinschaftliches Wohnen zu verwirklichen. Alles machbar, wenn die gemeinsame Idee trägt. "Wir möchten unseren Kindern die Möglichkeit schenken, mit Spielgefährten aufzuwachsen und auch ältere Menschen um sich zu haben, die nicht Oma und Opa sind", sagt Quang Truong von der Baugemeinschaft Trialog. Ihr ökologisch konzipiertes Mehrgenerationenhaus in Hilden besteht aus 28 barrierefreien Wohnungen und einem großen Garten. Die Baugemeinschaft hatte sich 2013 gegründet, im September 2022 wurde die Siedlung eingeweiht.

Landleben mit Perspektive

Mehr Selbstbestimmung, soziales Miteinander, geteilte Kosten: Auch auf dem Land steigt das Interesse an gemeinschaftlichen Bauvorhaben und nachhaltigen Lebenskonzepten. So unterhält der Wohnhof Stolzenhagen in Brandenburg seit Jahren erfolgreich einen ehemaligen Landwirtschaftsbetrieb. Das Ziel der Gemeinschaft: bestmögliche Selbstversorgung und ein gesundes Lebensumfeld, das alle bis ins hohe Alter genießen können.

Tipp: Viele Städte und Gemeinden beraten Baugemeinschaften und helfen bei der Grundstückssuche.

  

Mehr zum Thema auf Netzwerk Nachbarschaft:

Checkliste Baugemeinschaften
„Von der Idee bis zum Einzug“
„Gemeinschaftliches Wohnen“

PrymPark
WunschNachbarn
Trialog Hilden 
Wohnhof Stolzenhagen 

Gründen, Planen, Bauen, Wohnen –  Diese Adressen helfen weiter:

Bundesverband Baugemeinschaften
Forum Gemeinschaftliches Wohnen
Stattbau (Berlin, Hamburg, München)
Stiftung Trias
Wohnbund  
Wohnprojekte-Portal