Ökologie

Wohnzimmer im Innenhof

Wenn sich Nachbarn zusammentun, können sie graue Hinterhöfe in grüne Oasen verwandeln. Gute Beispiele dafür liefern Nachbarschaften aus Düsseldorf und Karlsruhe. Sie haben sich mit Ideen und Idealismus Erholungsräume direkt vor der Haustür geschaffen.

Hofgarten NeNaStartseite ZuschnittJeder Quadratmeter Grün trägt zum Klimaschutz bei und fördert die Artenvielfalt. Wer den eigenen Innenhof begrünt, verbessert zudem das Miteinander in der Nachbarschaft – denn ein solches Projekt braucht Zusammenhalt. „Gemeinsam kommt man auf gute Ideen“, sagt Volker Flemming, Hauseigentümer aus Düsseldorf. In der Beethovenstraße haben sich vier Familien zusammengeschlossen, um einen Hof zu begrünen, in dem früher Beton und Schutt lagen. Jetzt duften dort Rosen, Rittersporn, Sommerflieder und Salbei um die Wette. „Es ist ein Ort entstanden, an dem man sitzen und spielen kann“, sagt der Vater von vier Kindern.

Gemeinsam Zäune einreißen

Um die Fläche zu vergrößern, einigten sich die Nachbarn darauf, einen Zaun zwischen zwei Grundstücken einzureißen. Ein weiterer Hof wird durch eine Mauer abgetrennt, an der die Anwohner Trittsteine anbrachten. So können jetzt die 14 Kinder, die durch alle drei Höfe toben, einfach darüber klettern. Jeder machte bei dem Gemeinschaftsprojekt mit. Und alle waren begeistert, als Flemming zu guter Letzt einen Ahornbaum pflanzte. Wie ließe sich der Wechsel der Jahreszeiten besser beobachten? Die Stadt Düsseldorf fördert private Innenhof-Begrünungen. Auch andere Kommunen wie Köln und München unterstützen Eigentümer und Mieter. Wichtig: Die Fördermittel sind immer vor dem Projektstart zu beantragen.

Erholung im Innenhof

Eine Hainbuchenhecke umgibt den Innenhofgarten von Regine Dirringer in Karlsruhe. „Wir nennen den Hof unser ‚grünes Wohnzimmer’“, sagt die Mieterin. Das Häuserkarree, in dem sie lebt, entstand um 1900. Damals legte die Genossenschaft Gartenteile statt Hinterhäuser an. Vor einigen Jahren haben sich Nachbarinnen und Nachbarn zur ASGS Hofgemeinschaft zusammengeschlossen und sich der verwilderten Gärten angenommen. Zu zehnt pflegen sie die uralten Rosenstöcke und gestalten die Begrünung nach und nach um. Mittlerweile ist der Blockinnenhof an der Scherrstraße zu einer grünen Oase im Stadttrubel geworden. Vögel nisten dort und Eichhörnchen flitzen herum. Wer in seinem Hof Tiere beobachten will, tut gut daran, vor allem heimische, standortgerechte Gebüsche, Stauden und Gräser zu wählen. Sie sorgen für Artenvielfalt in der Stadt und für eine fühlbar gute Atmosphäre.

Kräuterbeet und Elfengarten

Das wirkt sich auch positiv auf die Menschen und ihre Lebensqualität aus. „Seit der Hof gepflegt und belebt ist, gehen die Leute in der Nachbarschaft achtsamer miteinander um“, sagt Dirringer. Die Identifizierung mit dem Wohnquartier steigt. Sogar die Fluktuation im Mietshaus sei gesunken. Über den festen Kreis hinaus helfen viele Freiwillige ab und zu im Garten mit. Doch auch alle anderen im Häuserkarree sind eingeladen, den Hof zu nutzen und dort zusammenzukommen. Ein Kräuterbeet ist für alle da. Und kürzlich hat eine Nachbarin einen Elfengarten für Kinder angelegt. Der Vermieter findet das Projekt prima und stiftet auch mal eine Ladung Mulch. „Da gehört schon Idealismus dazu“, sagt die Karlsruherin über die nachhaltige Gestaltung ihres Innenhofes, „aber das ist es auf jeden Fall wert!“

 

Weitere Tipps und Beispiele:

Checkliste „Begrünungsaktion“, © Netzwerk Nachbarschaft
ASGS Hofgemeinschaft
Hofgarten des Wohnprojekts Brachvogel
Förderprogramm „Dach-, Fassaden- und Innenhofbegrünung“ Düsseldorf

 

 

 

 

 

 

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