Mehrgenerationen

Auch ohne Auto mobil im Alter

Der Verlust des Führerscheins muss nicht das Ende der Mobilität einläuten. In guter Nachbarschaft geht man neue Wege.

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Das eigene Auto bedeutet für viele Freiheit und Unabhängigkeit. Doch während die Altersgruppe der 70-74-Jährigen noch zu 65 Prozent mit dem eigenen Auto unterwegs ist, sind es ab dem 80. Lebensjahr nur noch 25 Prozent. Meist geben gesundheitliche Gründe den Ausschlag dafür, dass Senioren ihren Führerschein abgeben. Wie bewahren sie sich dennoch ihre Mobilität? In Nürnberg haben Nachbarn eine Lösung gefunden.

Die Antwort liegt in der Nachbarschaft

Der Besuch beim Facharzt, der weite Weg zum Supermarkt, stark befahrene Straßen, schlechte Verkehrsanbindungen, unebene Bürgersteige – für ältere Menschen stellen alltägliche Besorgungen oft zunehmende Herausforderung dar. Ohne Fahrer oder eine Begleitperson des Vertrauens trauen sie sich oft nicht mehr aus dem Haus. In Nürnberg haben Nachbarn für dieses Problem eine ganz praktische Lösung gefunden. Die Bewohner des Stadtteils St. Peter/Gleißhammer, in dem Senioren und Alleinerziehende einander im Alltag unterstützen, sorgen für Mobilität bis ins hohe Alter. „Die Älteren passen gerne mal auf die Kinder oder Katze auf, dafür werden sie von den Jüngeren zu Treffen und Terminen gefahren“, berichtet Sigrid Zauter. Sie ist Koordinatorin des „Nürnberger Wegs“, einer Initiative des DMH e.V., die als Vorbild bundesweit von sich reden macht. „Wir organisieren das über Zeitkonten“, berichtet Zauter weiter: „Wer hilft, bekommt Zeitstunden gutgeschrieben, die er für den eigenen Bedarf einlösen kann. Die jeweiligen Zeitkontingente sprechen die Beteiligten untereinander ab.“

Das Mobilitätsprinzip verbreitet sich

Das funktioniert so gut, dass die Anwohner nun den gesamten Stadtteil nach dem solidarischen Wohnprinzip organisieren wollen. Dass nachbarschaftliche Solidarität einen maßgeblichen Beitrag zur Lösung des Mobilitätsproblems älterer Mitmenschen leistet, davon ist Erdtrud Mühlens vom Netzwerk Nachbarschaft überzeugt. „Nachbarschaft ist eine wichtige Ressource, um Altersmobilität zu unterstützen. Das Beispiel Nürnberg zeigt dies eindrücklich. Solche guten Konzepte gilt es überall voranzutreiben.“