Initiativen

Miteinander Wohnen: so kann’s gehen

Knapp die Hälfte aller Menschen über 50 Jahre interessiert sich für gemeinschaftliche Wohnformen: Viele Projekte, ein Ziel.

Brachvogelweg

„Unser jüngster Bewohner ist anderthalb, die älteste ist 92 Jahre alt“, erzählt Ingeborg Loll, Bewohnerin des Wohnprojekts „Haus Mobile“ in Köln. Die 82-Jährige ist eine der Nachbarinnen, die 1997 das Wohnprojekt gründeten. Die Bewohner feiern zusammen Geburtstage, spielen Karten oder frühstücken gemeinsam. Die Kerngruppe bilden die Bewohner ab 60. Ingeborg Loll findet, dass Gesellschaft die beste Nachbarschaftshilfe ist. „Wir haben keinen einzigen Fall von Demenz unter uns. Es ist natürlich Spekulation – aber die gute Gemeinschaft könnte dazu beigetragen haben.“ Einmal pro Woche kocht eine Bewohnerin für ihre Nachbarn, ein gebürtiger Spanier bringt Interessierten Spanisch bei. Unter den Schülern ist auch die älteste Bewohnerin des Hauses.

Gemeinsam den Alltag gestalten

Im niedersächsischen Quakenbrück haben Nachbarn 2012 die Initiative Feriendorf gegründet – mit dem Ziel, älteren Anwohnern das Altwerden in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Fröhliches Beisammensein wird hier groß geschrieben. Bei Grill-, und Filmabenden, Gesang oder auch Kartenspiel verbringen die Quakenbrücker ihre Freizeit. Anwohnerin Renate Jänecke berichtet: „Wir treffen uns einmal im Monat, um die nächsten Termine zu planen. Nächste Woche zum Beispiel gehen wir wandern.“ Im Alltag unterstützen sich die Nachbarn gegenseitig mit kleinen Reparaturen, Einkaufshilfen und Mitfahrgelegenheiten. Über die Frage, wie sie im Alter leben möchte, muss Renate Jänecke nicht eine Sekunde nachdenken: „Genauso, wie ich schon jetzt hier lebe.“

Gemeinsam das Leben genießen

Im Wohnprojekt der Brachvogel eG in Hamburg-Lurup haben sich bereits 2002 Familien, Paare und Alleinstehende zusammengeschlossen. Von den rund 125 Bewohnern ist jeder fünfte über 60, ein Drittel sind Kinder. Es herrscht ein reger Austausch zwischen den Generationen: Die älteren Bewohner springen schon mal bei der Kinderbetreuung ein und die Jüngeren erledigen die Einkäufe. Sowohl im Gemeinschaftsraum als auch in den grünen Innenhöfen ist das Miteinander von Jung und Alt selbstverständlich. „Wir sind wie eine kleine Dorfgemeinschaft in der Stadt“, erklärt der Sozialforscher Helmuth Rose, der auch in der Brachvogel eG wohnt. „Das Gemeinschaftsgefühl tut gut und stärkt auch die Gesundheit.“