Kultur

Nachbarschaftshilfe für Flüchtlinge

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Begegnungsnachmittag Fluchtpunkt Kuerten

Der erste Kürtener „Begegnungsnachmittag“ war ein voller Erfolg und brachte die vielen Besucher schnell miteinander in Kontakt.

Bildquelle: Netzwerk Nachbarschaft
Reitunterricht fuer Fluechtlingskinder

Zwei Jugendliche aus Kürten ermöglichen den Flüchtlingskindern eine tolle Abwechslung beim gemeinsamen Reiten.

Bildquelle: Netzwerk Nachbarschaft
Kürtener Nachbarn spenden Fahrräder fuer den Fahrradpool

Für den Fahrradpool spendeten die Kürtener Nachbarn ihre gebrauchten Fahrräder. Um Inspektion, Reparatur und Wartung kümmern sich Nachbarn und Asylsuchende gemeinsam.

Bildquelle: Netzwerk Nachbarschaft

Sie organisieren Hilfe schnell und unbürokratisch: Willkommens-Initiativen zeigen, was Mitmenschlichkeit bewegen kann.

Die kleine Gemeinde Tröglitz, Sachsen-Anhalt, sorgte bundesweit für Aufsehen. Dort setzte sich der ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth für die solidarische Aufnahme von Flüchtlingen ein. Rechte Gruppierungen demonstrierten dagegen, versuchten sogar, den Bürgermeister mit einer Kundgebung vor seinem privaten Wohnsitz unter Druck zu setzen. Als die Behörden das nicht verhinderten, trat Nierth zurück. Er ist nicht der einzige Bürgermeister, der wegen seines zivilgesellschaftlichen Engagements angegriffen wurde.

Nachbarn setzen Zeichen für Solidarität

Doch das Beispiel Tröglitz zeigt auch, dass Hass und Fremdenfeindlichkeit auf der einen Seite, nachbarschaftliche Solidarität auf der anderen Seite hervorruft. So wie in Eilendorf, einem Stadtteil Aachens. Auch hier gab es Proteste von Nachbarn gegen die Unterbringung von Flüchtlingen, die vom „Eilendorfer Bündnis“, einer Willkommensinitiative solidarischer Anwohner, engagiert gekontert wurde. Die Nachbarn gehen offen auf die Asylbewerber zu, bieten Sprachunterricht an und leisten Alltagshilfe. In Berlin zeigt sich dasselbe Bild. Elène Misbach von der dortigen „Amadeu Antonio Stiftung“ bestätigt: „Fast überall, wo neue Flüchtlingsunterkünfte entstehen, bilden sich auch Willkommensinitiativen. Je schneller Asylsuchende und Nachbarn miteinander in Kontakt kommen, desto erfolgreicher ist das Bemühen um ein gutes Miteinander im Wohnumfeld.“

Nachbarn helfen Nachbarn

Flüchtlingshilfe entsteht jedoch nicht nur da, wo es Probleme gibt. Als Nachbar Hilger Müller den „Fluchtpunkt - Kürten“ ins Leben rief, war ihm die Situation der Asylbewerber gar nicht bewusst: „Erst als ich sah, in welcher Lage sie sind, war mir klar: da muss man was tun!“ Heute koordiniert der Fluchtpunkt die Hilfe von 80 Freiwilligen, die etwa 150 Flüchtlinge betreuen. 13 ehemalige Lehrer geben Deutschkurse, andere Helfer organisieren Begegnungsnachmittage oder auch die Instandsetzung alter Fahrräder. Auch „MIR FÜR ÜCH“, ein Nachbarschaftshilfsdienst aus Kürten, hilft mit. Große Konflikte gab es laut Hilger Müller aber nie – weder mit den Flüchtlingen, noch unter den Nachbarn. Sein Fazit: „Ich bin wirklich stolz auf die Bevölkerung hier in Kürten. Von Stimmungen und Feindseligkeiten wie in Tröglitz ist hier nichts zu sehen. Hut ab vor unserer tollen Nachbarschaft!“

  

Weitere Informationen:

„MIR FÜR ÜCH“

www.wie-kann-ich-helfen.info