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Wenn der letzte Supermarkt zumacht...

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Dorfladen Gemmerich

Der Dorfladen in Gemmerich ist ein beliebter Treffpunkt.

Bildquelle: Gemeinde Gemmerich

Als in Gemmerich der letzte Supermarkt seine Türen schloss, waren die Nachbarn erst wütend. Dann handelten sie!

Allein sind die knapp 600 Nachbarn der Gemeinde in Rheinland-Pfalz nicht. Immer mehr Dorf- und Nachbargemeinschaften sind betroffen. Denn allein in den letzten zehn Jahren wurden 17.000 kleine Läden geschlossen. Besonders betroffen: Gemeinden mit unter 5000 Bewohnern. Doch im Unterschied zu anderen ergriffen die Gemmericher Nachbarn 2009 Initiative, allen voran ihr Bürgermeister Bernd Hartmann. Die Gemeinde entwickelte einen Business Plan und beantragte beim Land die entsprechenden Gelder. Dann packten die Nachbarn kräftig mit an: Auf 100qm Fläche richteten sie einen freundlichen Nachbarschaftsladen ein. Ende März 2010 öffnete das gemeindeeigene Geschäft seine Türen.

Mehr als ein Dorfladen

In dem Gemmericher Laden gibt es ein Vollsortiment mit Lebensmitteln, ein kleines Blumengeschäft und einen Getränkebereich. Besonders beliebt bei den Nachbarn ist der kleine Backshop mit Café, wo es frische Brötchen und Kuchen gibt, den sie bei einer Tasse Kaffee vor Ort genießen können. Ein toller Treffpunkt für Jung und Alt. Beliefert wird der Laden von einem Lebensmittelgroßhändler, der seine Produkte an über 400 kleine Einzelhändler der Region ausliefert. „Dadurch bekommen wir die Produkte frisch und können sie zu günstigen Preisen anbieten", erklärt Erika Kraft, die den Dorfladen zusammen mit dem Bürgermeister und einem weiteren Gemeindemitglied betreibt. „Und es findet sich immer jemand, der mit anpackt und Lebensmittel einräumt."

Erfolgreiches Management

Das umfangreiche Angebot kommt sehr gut an. Schon nach dem ersten Monat sind die Umsätze deutlich höher als erwartet. Investiert wird der Gewinn in einen besseren Service und in das Sortiment. Zu den Lebensmitteln kamen einige Produkte aus einer regionalen Metzgerei, zudem wurde eine kleine Poststelle eingerichtet. Inzwischen arbeiten im Dorfladen vier Angestellte. Absolut vorbildlich: Neben Gemmerich werden auch die sechs Nachbargemeinden mit Lebensmitteln versorgt.

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